Zuweilen hörte man den heiteren, trunkenen Lärm der Hochzeitsgesellschaft fern und wirr durch die Decke.
Schwedenklee hatte nie gesehen, wie ein Mensch starb. Der Tod seiner Mutter war ihm telegraphisch mitgeteilt worden. Als der alte Schwedenklee im Sterben lag, hatte man ihm telegraphiert, und als er ankam, war schon alles vorbei.
Schwedenklee stand versteinert, regungslos in der Ecke, das unbeschreibliche, unbegreifliche Wesen kniete, die Schwester tauchte zuweilen mit ihren feisten Händen das Handtuch in das Waschbecken – und der Sterbende röchelte.
Das Röcheln wurde schwächer, pfeifender, und plötzlich – nach einer unfaßbaren Stille – schrie eine ganz unbegreiflich entsetzte Stimme, die Stimme eines Mädchens, eines Kindes: „Papa! Papa!“
Augenblicklich, ins innerste Herz getroffen durch den Ton des Mädchens – der Kinderstimme, diesen Ton der letzten menschlichen Qual – augenblicklich wandte Schwedenklee sein Gesicht zur Wand. Nie in seinem Leben hat er diesen Schrei vergessen. Er war totenbleich und zitterte an allen Gliedern.
15
Die Schwester zog Schwedenklee in einen feuchten, eisigen Vorraum, eine Art Küche mit Ausguß, die Fenster waren gefroren.
„Man hat ihm,“ sagte sie, „während er schon todkrank lag, die letzten Habseligkeiten gepfändet. Noch gestern kam die Hauswirtin und machte eine solch fürchterliche Szene, daß es zu Tätlichkeiten zwischen mir und ihr kam. Sie holte die Polizei, die Polizei aber hatte doch mehr Einsicht, als sie den Kranken sah, und zog ab.“
„Wie schön von Ihnen!“ stammelte Schwedenklee ergriffen. Er drückte der Schwester bewundernd die Hand „Was für eine prächtige Frau sind Sie doch!“ Diese ungeschlachte, kalte Person, ja, es gab immer noch Menschen! „Ich komme für alles auf, Schwester Anna,“ stotterte er verlegen. Immer noch zitterte er am ganzen Körper, und seine Zähne klapperten. Seine Nerven hatten völlig versagt.
„Wir haben nichts, auch nicht einen Pfennig, nur Schulden.“