Dann sah er sie, in letzter Schärfe, in ihrer Trauerkleidung vor sich. Das schwarze Hütchen, der schwarze Schleier, der ihr Gesicht ganz durchsichtig erscheinen ließ – ihre Lippen, ihr atmender Mund, ihr scheues Tierauge, die Grübchen in ihren glatten Wangen – und wie bei ihrer Mutter war das Grübchen auf der rechten Wange etwas tiefer als auf der linken. Die schwarze Halskrause, aus der ihr feiner Nacken stieg, ganz wie Ellens, der Mutter, Nacken. Und nun war sie hier!
Lieber Himmel, Schwedenklee war ganz verwirrt!
Es war nicht leicht gewesen, Ellen, die der Schmerz fassungslos gemacht hatte, in ein Magazin für Trauerkleider zu bringen. Hundertmal wiederholte Schwedenklee mit unendlicher Geduld: „Aber Sie können doch nicht so Ihren Vater beerdigen, seien Sie doch vernünftig!“
Endlich ließ sie sich bewegen. Aber sie wünschte das Kleid so einfach wie nur möglich. Die Verkäuferinnen, gerührt von ihrer Schönheit und Hilflosigkeit, bemühten sich um sie. Schließlich stand sie fertig angekleidet vor dem Spiegel. Sie blickte hinein und errötete! Blitzschnell ergoß sich die Röte, zart, wie ein Hauch, über ihr Gesicht und ihren Nacken – ganz wie bei ihrer Mutter. Sie errötete, weil sie sich in der Trauerkleidung gefallen hatte.
„Und nun neue Schuhe, Ellen!“
Sie sah ihn verständnislos an, während sie im Wagen weiterfuhren.
„Aber Sie können doch nicht in diesen abgetretenen Schuhen –?“
„Aber weshalb sorgen Sie sich um mich?“ fragte sie unwillig, die kleine Stirn zerknittert, und preßte die Hände an die zarten Schläfen.
„Sie vergessen es immer wieder: ich bin ein Freund Ihrer Mutter und Ihres Vaters.“
Ellen nickte. „Ich vergaß es, ja!“