„Jedenfalls vergessen Sie nicht, daß Sie hier ganz zu Hause sind“, wiederholte Schwedenklee verwirrt und ging zur Türe. „Sie werden gleich Tee bekommen. Ich denke, Sie wollen allein sein, und werde Ihnen Augusta schicken.“
Das Mädchen in schwarzer Kleidung wandte sich ihm zu.
„Dank für alles, was Sie für Papa getan haben“, flüsterte sie tonlos, ohne den Blick zu heben. Sie zitterte heftig. Und plötzlich fiel sie vor Schwedenklee in die Knie. „Dank!“
Schwedenklee hob den schlanken, zarten Körper auf. Er war aufs tiefste erschüttert.
„Sie sollen nicht so sprechen. Es ist ja alles selbstverständlich.“ Rasch verließ er das Zimmer.
„Jetzt ist sie hier! Jetzt ist sie bei mir!“ flüsterte Schwedenklee, als er die Türe seines Zimmers hinter sich geschlossen hatte, und ein Strom von Glückseligkeit durchrann ihn.
16
Immer noch sah er sie vor sich, wie sie, die schlanken Hände verkrampft, mit dem Ausdruck letzter Inbrunst, Andacht, Aufgelöstheit vor dem Bette kniete, das bleiche, schöne Antlitz verklärt von unbegreiflichem Schmerz. Eigentlich, sagte er sich, sah sie aus, als ob sie grenzenlos erstaunt wäre, ja, Staunen, Verwunderung – nein, ich weiß nicht, es ist jedenfalls nicht in Worten auszudrücken.
Unauslöschlich hatte sich dieses Bild in sein Gedächtnis eingegraben.
Er liebte es, sich diesem Anblick hinzugeben, obschon ihn die Dampfwolke peinigte, die aus dem verzerrten Munde des Sterbenden über die rauhe Wolldecke fuhr.