Je länger er in den Briefen las, desto mehr erkannte er, daß der frühere Schwedenklee und er eigentlich zwei völlig verschiedene Personen waren. Schwedenklee der Jüngere, der leidenschaftlich soziale Probleme erörterte, dessen Religion, wie er schrieb, die „Kameradschaft“ war – und Schwedenklee der Ältere, der sich, Gott weiß es, den Kopf nicht mehr mit derartigen Dingen zerbrach. Ja, in der Tat: zwei Welten. Ein behaglicher Bourgeois war aus dem jungen Schwedenklee geworden, gestehen wir es nur – ein Bourgeois wie die andern, mit genau den gleichen Ansichten wie der Kaufmann Jaffe, der Kinderkleider fabriziert.

O ja, wahr! Wahr!

Ähnliche Anschauungen kehrten in all den Briefen wieder. Tapfer hatte sich Schwedenklee der Jüngere den Problemen entgegengeworfen.

„Vorurteilslosigkeit und Mut brauchen wir,“ schrieb er, „um dem Leben entgegenzugehen, das vor uns liegt ...“

Schwedenklee las und staunte. War er das wirklich? Etwas wie ein leises Schamgefühl überkam ihn.

In einem Briefe fand sich diese Stelle: „Ich finde ja an und für sich, daß wir schon korrumpiert sind. Wir Künstler müßten gekleidet sein wie Monteure und Arbeiter, in Manchesterhosen, wir müßten betonen, daß wir und die Bourgeoisie verschiedene Welten sind.“

Er? Er, Schwedenklee in Manchesterhosen? Er bekam einen roten Kopf.

Ja, was ist doch aus diesem Schwedenklee geworden? Mit einem verlegenen Lächeln erhob sich Schwedenklee. Was ist aus mir geworden? Sein ganzes Leben, das Leben der letzten zehn, zwanzig Jahre erschien ihm plötzlich unverständlich ...

„Herr Schwedenklee!“

Jemand pochte an der Türe. Es war Augustas Stimme.