„Ich verspreche es Ihnen“, erwiderte Ellen mit einem ernsten, hellen Blick. „Ich war so unglücklich!“ setzte sie flüsternd hinzu und drückte leise, kaum merklich, seine Hand, und er fühlte, daß ihre Finger zitterten.
Schwedenklee sagte nichts. Verwirrt und scheu verließ er ihr Zimmer.
Schwedenklee hatte über eine Woche das Haus nicht verlassen. Er sprach mit niemanden, er hütete sein Geheimnis! Natürlich war es nicht zu umgehen gewesen, daß er Nelly von den Ereignissen der letzten Wochen unterrichtete. Er hatte sie gebeten, ihn für einige Zeit zu entschuldigen – bis alles in Ordnung gebracht sei. Telephonisch hatte er ihr alle Einzelheiten erzählt – besonders den Selbstmordversuch Ellens hatte er ausführlich und mit allen Einzelheiten berichtet, obwohl er sich seiner Schwatzhaftigkeit schämte, noch während er am Telephon stand. Aber es war doch notwendig, Nelly zu überzeugen, daß er für einige Zeit ans Haus gebunden sei.
Nelly telephonierte täglich. Der Patient sei noch immer nicht recht in Ordnung. Er ermahnte sie, ihren Gesangsunterricht nicht zu vernachlässigen und den dramatischen Unterricht ja nicht zu unterbrechen. Er sei auch damit einverstanden, daß sie als dramatischen Lehrer doch Dunker nehme – ein ziemlich junger, hübscher Schauspieler, der wegen seiner Liebesabenteuer berühmt war.
Schwedenklee hatte keine Eile, Nelly zu sehen.
Eines Tages aber trat Nelly ohne jede telephonische Anmeldung bei ihm ein.
Sie erschien Schwedenklee fremd, sozusagen unbekannt. Er erblickte sie wie aus weiter Ferne – ihre Züge, ihre interessante Blässe und die turmartige Frisur, diese „schweren Flechten“, ließen ihn völlig unberührt.
Nelly verstand seinen Blick sofort: diese unverschämte Gleichgültigkeit eines erkaltenden Geliebten! Sie war außerordentlich freundlich, teilnahmsvoll.
„Es ist merkwürdig,“ sagte sie, „du hast mir nie gesagt, daß du so intime Freunde hättest. Im Gegenteil, du klagtest ja immer, du habest keine Freunde!“
Sie hielt die Teetasse auf den Fingerspitzen, spielte die Dame auf Teebesuch.