„Aber, erlaube doch,“ sagte Schwedenklee, so bestimmt, daß Ellen nicht zu widersprechen wagte, „wir leben nun einmal in dieser Welt! Du mußt Kleider haben, Mäntel, Hüte, Schuhe ...“
Wochenlang waren sie in den Geschäften unterwegs.
Er stattete sie aus wie eine Braut, als ob sie seine Tochter wäre, die er zu verheiraten hätte.
Obschon nur Junggeselle, wußte Schwedenklee ganz genau, was eine junge Dame alles brauchte – von den Taschentüchern angefangen bis zu den Unterleibchen und Gürteln, an denen die Strumpfbänder befestigt sind. Schwedenklee wußte genau, wie Taschentücher einer Dame gearbeitet sein müssen, wie der Besatz eines Hemdes auszusehen hatte.
Es war Schwedenklees höchste Freude, wenn er sah, wie Ellen errötete, weil sie sich in einem Kostüm, einem Mantel gefiel. Oder, wenn sie erregt wurde beim Befühlen von Linnen und Batist.
Ellen war äußerst bescheiden, sie widerstrebte, aber zuletzt gelang es ihm doch stets, sie umzustimmen. Zu Hause beobachtete er beglückt, wie sie Hüte und Mäntel vor dem Spiegel aufprobierte und die Erregung ihre Wangen färbte.
Es war ihm ein Genuß, mit Ellen auf der Straße zu gehen. Niemand ging vorüber, ohne daß sein Blick gefesselt auf ihrem Gesicht geruht hätte. Voller Stolz kassierte er all ihre Erfolge ein, die sie nicht einmal bemerkte. Sie ging leicht, ihr Schritt war leise, wie der ihrer Mutter, nie hatte er einen solch schwebenden Gang, eine solche natürliche Würde bei einer Frau beobachtet. Sie ging wie ein Tier, eine Katze vielleicht, unbewußt und schön, ihre schmalen Hüften spielten.
In einigen Geschäften gebrauchte man die Redensart: „Das gnädige Fräulein, Ihre Tochter –“
Schwedenklee wurde verlegen, zuweilen blutrot – Ellen lachte wie ein Kind. Sie hatte die Gewohnheit, wenn sie schelmisch lachte, die oberen Zähne in die Unterlippe zu drücken und etwas mit den Augen zu blinzeln.
Einige Sommerkleider für Ellen ließ Schwedenklee bei einer Schneiderin Henrietta anfertigen, die er von Nelly her kannte.