Er legte das Taschentuch um sie und trug sie behutsam in sein Zimmer hinauf, sehr behutsam.

Nun stand sie auf seinem schmalbrüstigen, hohen Bücherregal.

Anfangs beunruhigte in dieser Gast. Er war nicht mehr allein. Gleichzeitig ein Gefühl der Scham, ohne ihr Wissen etwas von ihr zu besitzen. Aber sein Egoismus brachte gar bald sein Gewissen zur Ruhe, und schließlich wurde ihm die Büste eine wonnige Erlösung.

Er mochte sich noch so sehr in Träumereien verlieren, immer wieder gelangte er auf irgend einem Wege zu diesem Bildnis. Seine Gedanken, ja seine Bewegungen wurden dadurch beeinflußt. Etwas Weltfernes, etwas Reines, Heiliges erfüllte ihn, ohne daß er sich erst dazu hätte erziehen müssen.

Sein Zimmer wurde zu einem Tempel, dessen Gottheit Bianka war. Die Vorhänge waren stets zugezogen, so daß feierlich gedämpftes Licht herrschte. Schien die Sonne gegen die Scheiben, so erfüllte eine schwärmerisch-gelbe, verheißende Beleuchtung das Gemach, dunkelte es draußen, so versank der Raum in Schwermut und scheues Wünschen.

Oft stand er dicht vor der Büste und verharrte lange in der Betrachtung. Dann waren nur Bianka und er im Zimmer, sonst nichts, weder Stuhl noch Tisch.

Eigentlich konnte man nicht gut Büste sagen. Es war ein Mittelding zwischen Büste und Maske. Der Hinterkopf war weggeschnitten, wodurch das Edle, Durchgeistigte des Antlitzes noch hervorgehoben wurde.

Es war ein Antlitz, wie es Kranke haben, so zart, so durchscheinend, gleichsam überstrahlt von einem Lichte, das aus dem fernen Lande glänzte, wohin diese großen sehnsüchtigen Augen blickten. Die Nasenflügel schienen zu beben, der Mund zu zittern unter diesem Lächeln, diesem schmerzlich verlangenden, dürstenden Lächeln jener Menschen, die das Schicksal auf diese Welt verschlug.

Ich leide, sagte dieses Lächeln, aber ich möchte es euch verbergen, denn ihr würdet mein Leiden nur mißverstehen.

Die Spitzen der Finger schmiegten sich, als wollten sie das pochende Herz beruhigen, an die Brust, während die übrige Hand in den Block überging.