Er fühlte eine seelische Zusammengehörigkeit mit ihnen und es fiel ihm nicht im Schlafe ein, sich daran zu erinnern, daß er sie früher verliebte Tierchen genannt, die in den Stall gehörten.

Er las in einem Buche, während Kapelli arbeitete, er spielte Karten mit ihnen, wenn es Feierstunde gab, er sah Frau Trud beim Nähen zu.

Sein Aussehen hatte sich geändert. Er sah frischer denn sonst aus, blühend gleichsam, nahezu wie ein junger Mann von dreiundzwanzig Jahren. In seinen Augen, die sonst düster brannten, sprühte das helle Feuer der Lebenslust.

Eines Morgens standen zwei Büsten auf dem Tische, als er bei Kapelli eintrat. Es war Biankas Porträt. Er erschrak vor Freude.

Diese beiden ganz gleichen Köpfe wirkten, länger betrachtet, verwirrend schmerzhaft auf ihn. Er sah im Geiste eine unendliche Reihe desselben Kopfes vor sich und wurde nervös bei dieser Vorstellung.

Kapelli lachte über dieses Gefühl. Seine Sinne waren abgestumpft, dadurch, daß er wochenlang dieses Gesicht studiert hatte. Für ihn war es ein Kopf, ein beliebiger Kopf, ein Geschöpf von ihm.

„Ich würde ihnen eine Büste schenken, Ginstermann,“ sagte er. „Wenn Sie wollen.“

Ginstermann überflog, überglücklich durch dieses Geschenk, das zu erbitten ihm sein Zartgefühl verboten hätte, des Bildhauers Gesicht, ob er nicht einen schelmischen Zug darin entdecke. Aber Kapelli war vollständig von seiner Arbeit eingenommen und knetete mit nervösem Ernste an seiner Skizze herum, jene argwöhnisch-forschende Härte in den Augen, die das unausgesetzte gewissenhafte Vergleichen zwischen Modell und Arbeit erzeugt.

Also konnte er annehmen.

„Ich danke, Kapelli,“ sagte er, „diese Büste gehört zum Besten, was Sie geschaffen haben — haha.“