Er sah noch wie Frau Trud aus einer weißen Kanne Kaffee einschenkte und während er sich auf das heiße Getränk freute, versank er in einen senkrechten, bodenlosen Schacht, an dessen Wänden er sich vergebens festzuklammern suchte. Das Lachen Frau Truds flatterte über ihm wie ein Schwarm Vögel, der höher und höher stieg.
Nach einem kleinen Jahrtausend hörte er im Halbschlafe eine gedämpfte Stimme. Es war Fräulein von Sacken, die sprach. Sie sagte, er sei hier gewesen und habe das Bild gesehen. Er habe sie beglückwünscht!
Da erwachte er vollständig. Fräulein von Sacken ging eben zur Türe hinaus, elastischer, stolzer denn sonst. Eine Lampe brannte auf dem Tische, Kapelli saß bei der Zeitung, eine dicke Zigarre im Munde, aus der eine mächtige Wolke wirbelte.
Er fand sich auf dem Sofa liegend, die Füße in eine Decke gehüllt, ein Kissen unter dem Kopfe. Ohne Kragen.
Da kam Frau Trud durch die Portiere, machte einen Knix und rief, kindlich lachend: „Guten Morgen, Langschläfer!“
XIII.
Am Tage darauf trafen sie sich wieder, Bianka und Ginstermann.
Sie trafen sich nun beinahe jeden Tag.
Es waren herrliche Sonnentage. Der Vormittag noch frisch von der Kühle der Nacht, der Nachmittag von einer alles durchdringenden Wärme, gerade noch erträglich, der Abend von einer stillstehenden Schwüle, die der Nachtfrische wie ein Block trotzte. Der Himmel wie ein weiches blauflimmerndes Meer, durch das schneeweiße Wolken segelten, langsam, ohne Aufhören, rings um die Erde herum.
Auf den Straßen war es leer, Pflaster und Gebäude warfen die Glut der Sonne verstärkt zurück. Die Menschen gingen ermattet, die Augen zusammengezogen; die Pferde setzten im Halbschlaf ihren müden Trab fort, wunderliche Schattenflecke unter ihren Schritten zerschlagend.