Er nahm den obersten und hielt ihn über die Lampe. Das Papier begann zu kohlen, zu knistern, eine kleine blaue Flamme sprang von oben herab und fraß sich am Rande wie eine feurige Schlange entlang. Das Kuvert bog sich auf und der glühende Saum kroch auf die Anrede: mon petit coeur zu, verschlang sie, und gleichsam als ihr Gespenst tauchten die Worte in bronzegrüner Tinte auf der dunklen Asche auf.
Er warf den Brief in den Ofen und die anderen dazu. Verbaffende Rauchwolken quollen aus den Fugen, die Flamme brauste auf und nun bog sich ein Stück Pappe in der Glut hin und her. Das Bildnis einer Frau tauchte einen Moment auf, neigte sich vor und zurück wie in entsetzlicher Qual und stürzte endlich als weiße Asche in das Häufchen Glut, das aussah wie ein klippiges, winziges Gebirge, das in der Sonne glüht.
Ginstermann stand, den roten Widerschein der Glut in den Augen, und lächelte.
Nun war es überwunden.
Er holte jene Päcke Manuskripte und Zeitschriften herbei und warf sie in die verglimmende Asche. Ein Fanatismus, alles zu zerstören, was ihn an seine früheren Jahre erinnerte, erfaßte ihn.
Hier und da warf er einen Blick in die Blätter. Es waren die Aufzeichnungen eines verbitterten, höhnischen Menschen, dessen Seele ein Erlebnis zerstört hatte. Ungeheure Zynismen, Verwünschungen, Flüche.
Da war auch ein Kapitel über das Weib darunter. Ginstermann lachte, als er es überflog, er las es nicht zu Ende.
Der wüste Lärm von Kneipen, das Lachen eines Wahnsinnigen, der Geruch von Branntwein, das Gekreische von Dirnen stieg aus diesen Blättern.
Er las all das nicht ohne jenen Schrecken, den einer empfindet, der einer Gefahr entronnen ist, in der er ohne sein Wissen schwebte.
Sein Blick fiel auf ein Blatt, das die Überschrift trug: Der letzte Stern.