„Das war mein erstes, Fräulein Schuhmacher.“

„Ihr erstes?“

„Ja. Ich trottete meine Straße. Da kam es. Ganz von selbst, ich hatte früher nie Verse geschrieben.“

Sie schwieg und blickte sinnend zu Boden.

Da erschrak Ginstermann. Diese wenigen Worte erlaubten ihr, eine Menge Schlüsse auf sein damaliges Innenleben zu ziehen.

„Der Gedanke ist schön, und das Bild ist schön,“ fuhr sie leise fort, „es hat einen tiefen Sinn. Ich kenne kein Gedicht, das einen so tiefen Eindruck in mir hinterlassen hätte.“

Er wußte, daß dieses Gedicht gut war, zu seinen besten gehörte. Aber keine einzige Besprechung hatte es besonders hervorgehoben. Um so seltsamer erschien es ihm, daß sie darauf gekommen war.

Das Gedicht war sehr einfach. Ein Mann, der vor einem Weibe in unverhüllter Schönheit kniet, bittet es, ihm den Dornenkranz der Liebe, mit dem es ihn krönt, tief, tief ins Haupt zu drücken.

„Hier bin ich nun zu Hause,“ sagte Fräulein Schuhmacher und blieb stehen.

Sie standen vor einer Villa in modernem Stile, deren originelle Architektur Ginstermann schon früher aufgefallen war. Zwei Fenster der ersten Etage waren matt erhellt, als läge ein Kranker im Zimmer.