Bianka merkt das nicht. Sie sieht nicht, daß seine Augen wie ausgetrocknet sind, seine Haare vom Schweiße an die Stirne kleben, daß er bleich ist wie eine Wand.

Es ist gut, daß es dämmert.

Sie stehen wieder in dem Vorgärtchen vor der dunklen schweren Türe und morgen geht die Reise. Adieu! Morgen geht die Reise. Um 11 Uhr.

Ein Mann muß sich beherrschen können, er muß stehen, bis er tot hinschlägt. War er nicht ein ganzer Kerl, ein ganzer Kerl! Das Messer war ihm bis ans Heft ins Herz gefahren, mitten ins Herz und er hatte nicht gezuckt. Er hatte gelächelt und geplaudert, als habe sie ihm etwas Schönes geschenkt. Sie sollte nicht wissen, daß sie ihn heute nachmittag getötet hatte.

Jetzt sei es allerdings zu spät. Es gäbe auch noch eine Menge Besorgungen für die Reise.

Aber selbstverständlich. Wann sie fahre?

Sie lächelt, da er schon einigemal gefragt hat, und erwidert: „Um ½11. In Bellinzona machen wir die erste Station. Mamas halber.“

Sie sieht an den Fenstern hinauf, eine unbegreiflich lange Zeit, dann tritt sie näher und blickt ihn an. Noch einmal schwebt dieses zarte, rätselhafte Antlitz vor ihm, und diese klaren graugrünen Augen locken zum letzten Mal tote Wünsche.

Aber sie bleiben tot, nicht einer regt sich mehr.

„Sie werden mir doch dann und wann schreiben, Herr Ginstermann?“