Diese unerwartete Mitteilung hatte ihn ganz munter gemacht. Alle Gegenstände bekamen scharfe Linien, jede Kleinigkeit konnte er unterscheiden. An seiner Türe war während seiner Krankheit eine neue Leiste eingesetzt worden. In der Nähe des Schlosses.

Diese Entdeckung machte ihn stutzig. Er versuchte, sich dies zu erklären, aber seine Gedanken wurden bald müde und gerieten auf andere Wege.

Wie kommt dieser Doktor zu dir, dachte er. Wieso wußten diese Leutchen, daß du krank bist? Überhaupt, was hatte sich da alles ereignet? Zum Beispiel, wie kommt diese Leiste an deine Türe?

Das war vor acht Tagen und er hatte Fieber gehabt. Nun entsann er sich, daß es am Tage vor Biankas beabsichtigter Abreise gewesen. Er hatte sich im Englischen Garten herumgetrieben, dann wäre er nahezu in die Isar gefallen. Was hatte er nur an der Isar zu suchen gehabt? Mädchen, die einen Reigen tanzten — waren nicht auch Mädchen, die einen Reigen tanzten, mit im Spiele gewesen.

Seine Gedanken verwirrten sich, nur unklare Erinnerungsbilder tauchten in ihm auf. Aber schließlich, so sagte er sich, wird sich all das noch finden. Die Hauptsache ist, daß Bianka noch nicht abgereist ist.

Es war etwas dazwischen gekommen.

Ah — wie gesund er doch war! Eine wohltuende Mattigkeit floß durch seinen Körper, bei jedem Atemzug fühlte er seine Gesundheit. Diese erquickende Luft! Nur heiß war es, sehr heiß.

Mücken schwirrten herum, durch ihr Summen in der Vorstellung die Hitze vergrößernd. Andere wieder klebten an der Decke, den Rücken nach unten gekehrt, ohne herunterzufallen. Eine Schwalbe wippte am Fenster in die Höhe und zwitscherte. Sie hatte unter dem Dache ihr Nest. Nun hatte er die Glocke der Straßenbahn vernommen, weit in der Ferne, gedämpft.

Alles war weich und sonnig, zart wie lauwarmes Wasser. Er mußte an blühende Apfelbäume denken. Einen ganzen Hain blühender Apfelbäume sah er vor sich. Das Gras war hellgrün und zart wie Frühlingssaat. Um die Stämme der Bäume herum stand ein Kranz von Veilchen, deren Duft er verspürte.

Dr. Scholl hatte die Farben der Apfelblüte im Antlitz. Er war viel zu schön für einen Mann und hätte gut als Frau gehen können. Selbst sein Schmiß war weibisch. Die Ähnlichkeit zwischen ihm und seiner Schwester war augenfällig. Dieselben flaumigen, hellbraunen Haare, dieselben goldbraunen warmen Augen.