Auf ein paar Pinselstriche käme es nicht an.

„Ich habe meinen Lehrer für heute abend eingeladen. Wollen Sie mir nicht auch das Vergnügen schenken, Herr Ginstermann?“

Er müsse leider aus Gesundheitsrücksichten ablehnen.

„Nicht? — Sie sehen nicht gut aus, in der Tat. Ihr Gesicht ist noch um etwas schmäler und blässer geworden.“ „O, und graue Haare haben Sie auch bekommen, eine ganze Menge“, setzte sie lächelnd dazu. —

Frau Trud war vergnügt und zu Scherzen aufgelegt wie sonst. Aber es schien, als ob sie nur lache und scherze, um ihre Ergriffenheit dahinter zu verbergen. Sie war außerordentlich blaß und geschwächt, und oft sprach sie so leise, daß man sie nicht mehr verstand. Kapelli mußte sie fortwährend ersuchen, den Mund zu halten.

Ginstermann küßte sie, bewegt von dem anspruchslosen Heroismus, mit dem sie ihr Martyrium ertrug, auf die Stirne. Das war sein Glückwunsch und gleichzeitig sein Dank für „neulich“. Es kümmerte ihn nicht, daß Kapelli dabei stand, und Kapelli kümmerte es auch nicht. Frau Trud dankte ihm mit einem Blick voller Liebe, als sei er ihr Geliebter.

Natürlich mußte er auch das Kind sehen.

Mein Gott! es war ein runzeliges Tierchen mit schneeweißen Härchen auf dem unförmigen Kopfe. Er konnte es nur mit Überwindung betrachten.

„Es hat dieselben blauen Augen wie ich, sehen Sie?“ sagte die Mutter. „Es wird überhaupt ein hübsches Kind werden, nicht?“

Er konnte das mit dem besten Willen nicht herausfinden.