Maler Ritt hatte auf sein letztes Bild hin eine Professur erhalten. Er feierte seit fünf Tagen ein Fest in seinem Studio drunten und hatte Tag und Nacht ein Rudel Herren und Damen zu Gaste. Mit einer Ziehharmonika machten sie Musik, alle Anwesenden waren als Zigeuner kostümiert, und man konnte nicht zum Hause hinausgehen, ohne über einen im Flur liegenden Bezechten hinwegsteigen zu müssen.

„Was aber sagen Sie zur Sacken, Ginstermann?“

Fräulein von Sacken war in allen Besprechungen ganz hervorragend gelobt worden.

Unsere neueste Entdeckung heißt Sacken, schrieben sie. Und: Man sah nur selten Fische so gemalt. Großes ist von dieser Künstlerin zu erwarten.

„Es ist ihr zu gönnen, selbstverständlich. Nun ja, Ritt hat ihr ein bißchen geholfen, aber das geht uns nichts an“, meinte Kapelli.

Ginstermann kleidete sich an, um Frau Trud persönlich zu beglückwünschen. Auf der Treppe begegnete ihm Fräulein von Sacken. Sie trug wie sonst ein schwarzes Kleid, das die Fahlheit ihres leicht schwammigen Gesichtes erhöhte. In ihren Augen wohnte der alte, unnennbare Kummer, und erst als Ginstermann ihr die Hand zur Gratulation schüttelte, leuchtete helle Freude darinnen auf, von der man übrigens nicht wußte, ob sie echt oder gemacht war. Sie ließ ihn nicht vorüber, ohne daß er die Rezensionen gelesen hatte.

„Jetzt können Sie ruhig sterben,“ scherzte er, indem er ihr nochmals die Hand drückte.

„Ja“, entgegnete sie und blickte zu Boden, als suche sie irgend etwas; „besondere Genugtuung bereitet es mir, meinen Angehörigen den Beweis erbringen zu können, daß ihr Spott ungerecht war.“

Sie blickte auf, und der Haß flackerte noch in ihren Augen. Ginstermann hätte nie und nimmer solch wilden Stolz und elementare Leidenschaft in diesem bescheidenen, schwermütigen Weibe vermutet.

Sie lächelte und sagte: „Sie wissen ja, daß mich Herr Ritt bei der Arbeit unterstützte.“