Im Chinesischen Turm war Konzert. Lustig und ungeniert bliesen die Blechinstrumente durch den ganzen Garten, ebenso grell wie Sonne und Farben.

Bianka trug ein duftig weißes Kleid, das sie größer, blühender machte. Einen weißen Ledergürtel, einen Sonnenschirm von derselben Farbe. Selbst ihre Schuhe waren weiß.

Sie ging in ihrer nachdenklichen, verträumten Art neben Ginstermann einher. Ihr Haar flimmerte, wo die Sonne es traf. Den Mund hatte sie geschlossen, um ihre Augen zogen Ringe. So erschien sie älter, gereifter denn sonst.

Sie schritten ihre gewohnten Wege. Am Wasserfall blieben sie stehen, die Kühle zu genießen. Das Wasser wirbelte, ein ewig bewegter Spiegel des Laubes, des Himmels, in bunten Arabesken zwischen den lechzenden, üppigen Ufern. Dazwischen sprühte feiner Wasserstaub bis zum Geländer herauf, den die Haut, die Lippen gierig einsogen. Gegen die sonnige Wiese war es hier dunkel; ein Sonnenstrahl tanzte auf dem Wasser, ein sprühendes, lustiges Feuerchen, das hartnäckig Fuß zu fassen suchte, wie durch ein Brennglas auf ein und dieselbe Stelle dirigiert.

Sie gingen durch die Hauptallee, auf deren vom Sprengen dunkelen Boden Streifen von Sonne lagen, die wie Schlangen eilig an den Kleidern der über sie Schreitenden emporkletterten. Ein schillernder Laufkäfer eilte über den Weg. Er lief, was er konnte, als sei die Angst vor dem Zertretenwerden bei seinem Geschlechte, das Jahrhunderte in einem öffentlichen Garten lebte, zum Instinkt geworden.

„Sehen Sie, wie schön!“ sagte Bianka.

Das war das erste Wort heute. Sie schienen beide aufzuatmen und dem Zufall dankbar zu sein, der ihre Lippen löste.

Da kam ein Wagen und zerquetschte den Käfer. Seine schillernden Flügel standen weit auseinander.

„O“, rief Bianka aus, „sehen Sie nicht hin!“

„Das war ein Stück Schicksal“, versetzte Ginstermann, das Bild des zerquetschten Käfers vor Augen.