Die Trottoire waren reingefegt von Sand und Schlacke, erfüllt von Spaziergängern. Jeder, dem es möglich war, ging zu Fuß, um die herrliche Luft und die wärmende Sonne zu genießen. Man trug Kleider von hellerer Farbe, und aus den Herzen der Menschen war der Mißmut entwichen, den der zu Ende gehende Winter erzeugt. Aus ihren Augen spiegelte der junge blaue Himmel. Wagen, besetzt mit Frauen und Kindern in schmucken Frühlingsgewändern, flogen an den Spaziergängern vorüber, und aus den Gesichtern der Insassen strahlte die Freude, bald den Wald und die Wiesen zu sehen.

Ginstermann hatte den Entwurf seines Dramas beendigt und benutzte das verlockende Wetter, um sich zu erholen, neue Kraft und neuen Blick für die Ausarbeitung zu gewinnen. Er wanderte stundenlang in den Straßen umher, mit wachen Augen und Ohren für alles, was um ihn vorging.

Er trug einen hellen Sommeranzug, der ihn ganz veränderte. Mit seinen schwarzen Augen und Haaren, dem elfenbeingelben Teint seines schmalen Gesichtes erschien er wie ein Südländer. Die ewige Zigarette im Munde, schlenderte er einher, wie einer, der den ganzen Tag nichts zu tun hat, als spazieren zu gehen und Zigaretten zu rauchen.

Auf einer dieser Promenaden — es war gegen Abend — sah er sie. Fräulein Bianka Schuhmacher.

Und ein eigentümliches Erschrecken durchlief ihn, als er sie gewahrte.

Eine schlanke Dame ging mit einem Herrn über den Odeonsplatz. Gestalt und Gang dieser Dame riefen augenblicklich das Bild von Fräulein Schuhmacher in ihm wach.

Voller Spannung sah er sie näherkommen.

Sie trug ein graues Jackett, das ihr bis an die Knie reichte, einen kleinen schwarzen Hut mit silbergrauem Schleier herum.

Sie bemerkte ihn nicht, sie plauderte eifrig und vergnügt mit ihrem Begleiter. Dieser war schlank, schmalbrüstig, größer noch als sie, mit hübschem, für einen Mann zu hübschem Gesicht, dessen Teint an den eines Kindes erinnerte. Er trug einen dünnen blonden Schnurrbart, und über seine Wange lief ein haarfeiner Schmiß.

Kleidung und Bewegungen verrieten den Mann der feinen Gesellschaft, dem der Sinn für das Korrekte, Tadellose angeboren ist.