Da ist ein Theater, vollgepfropft von Menschen, Was spielt man? Man spielt: Yesters Tod. Wißt ihr, was Liebe ist, ihr Leute? Nun tritt einer vor die Rampe und verbeugt sich. Sein Lächeln ist traurig, seine Augen erstorben. Ich habe mein Herzblut für dieses Stück gegeben, ihr da drunten, das ihr applaudiert. In der ersten Sitzreihe — er verbeugt sich tief und lächelt . . .
Da ist der Kurgarten eines Weltbades. Die elegante Welt promeniert, die Kapelle spielt. Aus Tristan und Isolde. Sie spielt gut, sie spielt für verfeinerte Ohren. Auf einer Bank am Wege sitzt ein Bettler. Er kam zu Fuß hierher, seine Schuhe sind zerrissen. Grau und welk ist sein Gesicht, vom Trunk verwüstet seine Augen. Er hat sein Ziel verfehlt, er ging zugrunde. Einst war er ein König. Die Allee herauf wandelt eine schlanke Frau am Arme ihres Gatten. Sie sind glücklich, sie sind vornehm, hinter ihnen geht ein Diener mit silbernen Knöpfen. Die schlanke Frau streift den Bettler mit einem kurzen Blick. Sie ist reich, sie ist glücklich, was kümmert sie der Bettler? Heute, morgen, jeden Tag. Die Kapelle spielt sanfte Weisen, die vornehme Welt zieht vorbei. Die schlanke Frau sieht in des Bettlers verwüstete Augen. Er hat sein Ziel verfehlt, einst war er König. Was kümmert sie der Bettler? Und heute — heute kommt ein Diener mit silbernen Knöpfen an die Bank am Wege und spricht: „Jemand interessiert sich für Sie. Man bittet Sie, Ihren Namen zu sagen.“ Da erhebt sich der Bettler und geht. Weit, weit, so weit ihn seine Füße tragen . . . .
Endlich graute der Tag.
Er wuchs, er wuchs, es wurde ganz helle.
Ginstermann hätte sich gerne von irgend einem Gotte eine kleine Ewigkeit erbeten, um sie zwischen Nacht und Tag zu schieben. Nur eine kleine Ewigkeit. Aber unaufhaltsam flogen die Minuten. Keine Macht der Welt hielt auch nur eine Sekunde auf. Ja, man mußte eilen, um mitzukommen.
Es war ein trüber Tag. Zeitweise regnete es.
Aber Bianka würde kommen, so konnte sie unmöglich von ihm gehen.
Den Vormittag über saß Ginstermann auf den Treppen des Monopteros. Als die Glocken zu Mittag läuteten, begab er sich in die Stadt, weit hinein, um die Zeit zu verscheuchen, die ihm nun endlos deuchte. Er trieb sich auf dem Bahnhof herum, sah Züge gehen, hereinbrausen, er ging zur Parade an der Feldherrnhalle, hörte die Wache mit Rumtata und vielen Kommandorufen aufziehen, betrachtete sich die Fremden, die auf den Staffeln herumsaßen und lauschten.
Kurz vor drei stieg er wieder den Hügel zum Monopteros hinauf.
Bianka stand schon oben.