Er setzte sich an seine Arbeit, und nun hatten die Repliken plötzlich Klang und Sinn. Er arbeitete bis spät in die Nacht hinein und legte sich zufrieden mit sich nieder, noch während des Einschlafens mit dem Schicksale seiner Gestalten beschäftigt. —
Am anderen Morgen fand er ein Billett im Briefkasten. Es hatte folgenden Inhalt: Weshalb sah man Sie denn solange nicht mehr? Ich vermutete, Sie seien erkrankt. Gruß, auf Wiedersehen, Bianka Schuhmacher.
V.
Die Leopoldstraße ist eine schöne Straße.
Jeder, der sie kennt, wird das zugeben müssen.
Zu beiden Seiten stehen Paläste und Villen in endloser Reihe, von Gärten umgeben, die ein geschulter Gärtner pflegt. Die Portale sind massiv, von kunstvoller Schmiedearbeit, vergoldet, jedes in seiner Art ein vollendetes Werk. Die Fassaden verraten das verfeinerte Auge des Architekten in Proportionen und Schmuck.
Das sind nicht Häuser, in denen die Menschen schlafen, kochen und sich vor Kälte und Nässe schützen, das sind Heime, in denen die Menschen leben.
Hier gibt es kostbare Gardinen mit verschwenderischen Falten, hier blickt das Auge in stilvoll eingerichtete Zimmer mit schimmernden Rahmen an den Wänden.
Feine Leute erscheinen an den Fenstern, feine Leute kommen die Stufen herab. Die Herren in Uniform, mit Seidenhüten, die Damen in süßfarbenen Toiletten mit geschmeidigen, wohltuenden Bewegungen, den Abglanz der Sorglosigkeit auf dem gepflegten Antlitze.
Die Pappeln stehen in geordneten Reihen, ehrwürdig, ein hundertjähriges Geschlecht, bilden sie Spalier, gleichsam um die Fußgänger vor den vorbeirollenden Wagen zu schützen und vor dem Anblick der rohen, schwitzenden Arbeit zu bewahren. Es ist, als ob die freie Natur, der Wald, das Feld hereingepilgert kämen. Sie sind der Anfang eines Weges, der auf die Wiesen führt, und man fühlt sich gleichsam entfernter von der fauchenden, surrenden, stauberfüllten Stadt.