In der zweiundzwanzigsten waren die Fenster dunkel.
Ginstermann vermochte es nicht sofort zu fassen. Er strengte die Augen an, ob nicht doch, ganz leise, ganz leise das Licht da droben noch schimmere. Er wartete, er wartete.
Die Fenster waren und blieben dunkel. Sie blieben, Gott weiß es, sie blieben dunkel. Dunkel! Er konnte es gar nicht begreifen.
Noch im Laufe des Abends war er hier außen gewesen. Nicht der kleinste Umstand deutete darauf hin, daß das Unausdenkbare eingetreten sei. Heute morgen hatte das Zimmermädchen die Fenster geputzt und dabei gesungen.
Ginstermann fühlte sich wie befreit. Das Gespenst, das ihn eingehüllt hatte, lange Tage hindurch, löste sich von ihm. Er atmete auf, lange und tief.
Langsam ging er die Straße hinab, das Glück der Erlösung genießend und die Freude, daß es besser mit ihr ging.
Plötzlich hörte, sah, fühlte er wieder wie früher. Der ausgeschaltete Strom seiner Empfindungen kam wieder in Bewegung.
Er trat in ein Café, dessen erleuchtete Fenster vor ihm lagen. Er brauchte Licht, Menschen! Sein Glück drehte ihn im Wirbel.
Hier war es hell, ungewohnt hell, es gab Menschen, wenn auch nicht viele. Mit der Befriedigung eines, der eine schwere Zeit hinter sich hat, ließ er sich auf ein Plüschsofa nieder.
Das Café war in modernem, sympathischen Stile gehalten. Polster von karmoisinrotem Plüsch mit schwarzen, senkrechten Streifen, Tische und Stühle rot gelackt wie Gartenmöbel. Ein Fries nackter, einander nachlaufender Männer mit den gleichen Bewegungen an den Wänden. Das Ganze machte den Eindruck feierlichen Pompes.