„Sagen Sie, Fräulein,“ begann Ginstermann, „kann man nicht zu Ihrer Taufe eingeladen werden?“
Das Mädchen lachte und blickte ihn verdutzt an, halb argwöhnisch, eine Keckheit hinter dieser Frage vermutend.
Nun, sie sei doch noch so jung, daß sie unmöglich schon getauft sein könne.
Sie brach in Lachen aus und wandte sich halb ab, nach den Gästen sehend. Dabei klimperte sie mit dem Gelde in der Tasche ihrer schneeweißen Schürze.
„Wir werden Sie ‚Rehäuglein‘ taufen,“ fuhr Ginstermann fort — da berührte jemand seine Schulter.
Es war der Akademiker Goldschmitt. „Uff, Ginstermann?“ rief er aus.
Der Maler war verblüfft, Ginstermann hier im Café zu treffen, mehr noch, ihn bei einer Unterhaltung mit einer Kellnerin zu ertappen. Seine Verblüffung steigerte sich aber noch, als er Ginstermanns Aufgeräumtheit bemerkte. Er war nur gewöhnt, ihn als einen verschlossenen, düsteren Menschen, der sein geistiges und seelisches Leben hinter einer regungslosen, hochmütigen Miene verbarg, zu sehen.
Ginstermann für seine Person war froh, nun jemanden zur Unterhaltung zu haben. Er sprach und lachte immerzu. — Er begann von den Bildern des jungen Malers zu sprechen und lobte sie. Er gab seiner Meinung über zeitgenössische Größen Ausdruck, die er sich erst während des Sprechens bildete. Er legte dem Akademiker seine Anschauungen über Zweck und Ziel der bildenden Kunst klar. Er warf ihm Händevoll Gedanken hin, die er verwerten könne.
Dabei dachte er an ganz andere Dinge.
Es ging besser mit ihr, also war alles gut.