Dazwischen kam Kapelli mit der Zigarettenschachtel und beugte sich über den Tisch, so daß ein Büschel grauer Haare über seine Stirne fiel. Wenn er sprach, so funkelten die Vokale gleich leuchtenden Steinen, und man verspürte Lust, ihn zum Singen aufzufordern.

An den Tischen lärmten und lachten sie, und ewig war Ritts nasale Stimme zu hören.

Und Fräulein Scholl hing mit den Blicken an Goldschmitts Lippen und hielt die Zigarette mit steifen, ungewohnten Fingern, hier und da Tabak von den Lippen nehmend. Sie schüttelte den Kopf, wenn sie lachte, und die Wellen ihrer Haare wippten. Diese Haare waren von genau der gleichen Farbe wie ihre Augen. Ihre Zähne waren schneeweiß, klein, Puppenzähne, und zuweilen blitzte eine goldene Plombe auf. Manchmal unterbrach sie den Erzählenden und begann eine ähnliche Schilderung, um mitten darin abzubrechen, da ihr der Ausdruck fehlte. Dann blies sie stets eine dünne Rauchwolke in die Luft.

Daneben ihre Freundin, reserviert im Wesen. Sie lächelte liebenswürdig. Sie rauchte nicht. Sie hielt die Augen auf Goldschmitt gerichtet und brachte ihn einigemal in Verwirrung, als er sich ungeschickt ausdrückte. Es war, als beobachte sie genau, was um sie vorging, und bilde sich über alles ein Urteil. Dazwischen wieder lachte sie herzlich, wie ein Kind, als sei sie für einen Augenblick eine andere geworden. Wenn sie sprach, so sprach sie schön und ohne Hast. Ihre Stimme erinnerte an die Töne einer Geige, sie war weich und gedämpft. Diese Stimme drang tiefer als in die Ohren und erweckte das Bedürfnis, sie bei geschlossenen Lidern zu hören. Gleichzeitig klang der kühle Stolz einer sich abschließenden Seele aus ihr.

Und er saß und sann.

Wie seltsam es doch ist, dachte er, das Schicksal hat die Menschen an Fäden und führt sie zusammen und auseinander und wieder zusammen, je nach seiner Laune.

Hier also traf er sie wieder.

Schon angesichts der Büste hatten seine Gedanken hartnäckig eine Erinnerung in ihm auszulösen gesucht. Er entsann sich dessen noch deutlich.

Aber nun stand sie klar vor seinen Augen, wie an jenem Abend.

In leuchtend weißem Kleide sah er sie vor sich, auf Marmorstufen stehend, mitten im Licht. Und sie hielt die großen Augen auf ihn geheftet, gleichsam erstarrt vor Freude. Als sei er ihr Geliebter und nach langer Fahrt über ferne Meere unerwartet zurückgekehrt. Er stieg die Stufen zum Foyer hinauf und hielt unwillkürlich den Schritt an, betroffen durch den Ausdruck dieses Blickes. Und sah sie an.