Das alles währte nicht länger als eine Sekunde. Es war sonderbar, wie ein Rätsel.
Sie hatte ihn heute nicht einmal wieder erkannt. Trotzdem war es ihm, als ob ihr Blick zuweilen über seine Züge tastete und etwas suchte.
Dann erhoben sich die Damen, und auch er stand auf. Und ohne eigentlich daran gedacht zu haben, bot er ihnen seine Begleitung an.
Und nun ging er neben ihnen her.
Und war noch so verwirrt durch die Eindrücke des Abends, daß er kein Wort zu sprechen vermochte.
All die vielen Gesichter schwebten ihm noch vor Augen, lächelnd, lachend, mit den Augen zwinkernd, er hörte immer noch das Gewirr von Stimmen, und da war wieder die verschleierte Lampe, das mit Zigarettenasche bestreute Tischtuch, Goldschmitt, Glimm, Fräulein Scholl und daneben Fräulein Schuhmacher.
Er sah sie ganz deutlich vor sich. Ihre hellen Augen, ihre schmalen Lippen, die leise und vornehm lächelten, ihre Hand. Er hatte noch nie eine solche Hand gesehen. Sie erschien ihm wie ein denkendes, selbständiges Wesen.
Und wieder empfand er jenen undefinierbaren Schrecken wie in jenem Moment, da er in seinem Gegenüber jene Dame vom Hoftheater entdeckte.
Ah — das war auch zu sonderbar. Das mochte jetzt über ein Jahr her sein.
Wiederum aber war es ihm unerklärlich, wie ihn dieser alltägliche Zufall in derartige Aufregung versetzen konnte. War ihm diese Spannung rätselhaft, mit der er jeder Bewegung dieses Mädchens gefolgt war, jeder noch so unmerklichen Veränderung dieses durchsichtigen Antlitzes.