Im Begriffe, seiner Behausung zuzusteuern, bemerkte er ein kleines Hündchen, dessen possierliche Art zu laufen ihm auffiel. Es lief wie ein kleines Maschinchen, und man hätte glauben können, es bewege sich in drolliger Absicht nicht schneller vom Platze, während es die Beinchen wie verrückt bewegte.

Eine Dame ging neben ihm her. Es war Fräulein Scholl.

Ginstermann überschritt die Straße und rief sie an. Sie wandte sich mit einer drehenden Bewegung um, als befände sie sich auf dem Eise. Sie entdeckte ihn nicht sofort.

„Ach, Sie!“ rief sie dann mit vergnügtem Lachen, ihm die Hand entgegenstreckend, viel höher, als es nötig gewesen wäre.

Ihr Puppengesichtchen strahlte, und sie schüttelte Ginstermanns Hand, als seien sie langjährige Bekannte. Sie war braun in braun gekleidet. Brauner Hut, braunes Kostüm, dazu kamen noch ihre mattbraunen Haare und ihre Augen von altgoldener Farbe. Das sensitive Auge eines Malers schien diese Nüancen zusammengestimmt zu haben.

Ginstermann erkundigte sich, wo sie denn die letzten Wochen gesteckt habe.

„Ich bin in Berlin gewesen,“ sagte sie, den Berliner Jargon nachahmend.

Das gab sofort Stoff zur Unterhaltung. Sie erzählte ihm von der Hin- und Rückfahrt, von all den harmlosen Abenteuern und Erlebnissen eines jungen Mädchens. Häufig lachte sie in der Erinnerung an diese Begebenheiten, Ginstermann im Unklaren lassend, was ihre Heiterkeit derart erregte.

Er hörte ihr gerne zu. Ihre unvollständigen Sätze, ihr Lachen, die dazwischen geworfenen Berliner Redensarten belustigten ihn. Es war komisch zu beobachten, wie sie, mitten in ihrer Heiterkeit sich an die Würde erinnernd, die eine junge Dame zu bewahren hat, plötzlich ihr Lachen dämpfte, ihre Bewegungen überwachte und in korrekten Sätzen sprach.

Ihr Wesen war voll kindlicher Anmut und jener am Tage liegenden Fröhlichkeit, wie sie Menschen besitzen, die das Leben nur von der sonnigen Seite kennen und infolge ihrer optimistischen und wenig polemischen Veranlagung auch nie dazu kommen, seine dunklen Seiten zu erfassen.