Ginstermann ging nach Hause, setzte sich an den Tisch und schrieb:

Das Herz.

Da war ein Mann, vor langer Zeit. Habuck hieß er, das ist: der Gestorbene. Er war bleich, weiß wie Zucker sein Gesicht, seine Hände. Seine Augen waren dunkel wie Kohlen, seine Lippen schmal, von bläulicher Farbe. Ein Lächeln umkräuselte sie, scharf wie Gift. Sah er Kinder an, so begannen sie zu schreien, blickte er junge lachende Mädchen an, so weinten sie und trauerten ihr ganzes Leben. Er ging durch die Straßen und lächelte. Da wurden alle Menschen stumm, als sei ihr Herz entzweigesprungen.

Sein Lächeln, das sagte: Weshalb lacht ihr?

Einmal kam er durch ein Dorf, da tanzten sie unter der Linde. Er ritt auf einem mageren, starken Pferde und ritt ganz langsam. Die Fiedel verstummte, und die Paare standen erschrocken still. Niemand lachte mehr, niemand regte sich mehr, sie standen wie gelähmt. Der Spielmann versuchte ein Liedchen anzustimmen, da rissen die Saiten wie Zunder.

„Es ist Habuck!“ flüsterten die Mädchen und hüllten das Gesicht in die Schürze.

Der Spielmann wackelte mit dem Kopfe und streckte die Zunge heraus. Man kann ihn noch heute so sehen.

Habuck war ein Tyrann. Habuck wollte die Menschen knechten, wahnsinnige Herrschsucht raste in seinem Gehirn. Seine Gesetze hingen gleich zweischneidigen Schwertern zu Häupten des Volkes. Sein Stolz war so groß, daß er sagte: Erdengöttlein, meine Schultern reichen bis an deinen Bart.

Er verbrachte die Nächte beim Wein und brütete, wie er das Lachen töten könne, auf der ganzen Erde. Er schlief nie, er starb nie, er lebte ewig.

Oftmals raste er gegen sich selbst und nannte Gott einen Feigling, da er unsichtbar mit ihm kämpfte. Dann warf er sich auf sein Pferd und durchritt die Welt. Ohne Rast, ohne inne zu halten.