Ob er an ein Wiedersehen im Himmel glaube!
Dabei sah sie ihm direkt in die Augen.
„Nun auf jeden Fall doch! Da gibt es doch einfach keinen Zweifel.“
Auf ihrem Gange wohne einer, ein Doktor, ein Schriftsteller, der sage, nur die Dummen glaubten es noch. Seine Hausfrau habe es ihr erzählt.
„Ja, ein Schriftsteller,“ entgegnete Ginstermann, „die glauben alle nichts. Ich kann Ihnen aber etwas sagen, Sie brauchen gar nicht so lange zu warten.“
Das verstünde sie nicht.
Sehr einfach. In ein paar Jahren hätte sich ihr Kind entwickelt, und aus dem Kinde würde alsdann der Vater heraustreten. Zum Beispiel an der Bildung der Stirne, an einer Bewegung, in der Stimme würde sie ihn erkennen. Und somit in ihrem Kinde auch dessen Vater erblicken.
Sie sann vor sich hin, beglückt von dieser Eröffnung und sah im Geiste das Kind heranwachsen und seinem Vater gleichen.
Dann erzählte sie Ginstermann leise, in unvollständigen Sätzen, die Geschichte ihrer Liebe, um sich das Herz dadurch zu erleichtern. Sie war Telephonistin und ihr Bräutigam Zeichner in einer Möbelfabrik. Er war sehr geschickt. Sie hatten sich durchs Telephon kennen gelernt. Schon als sie das erste Mal seine Stimme gehört, habe sie ihn lieb gewonnen. Und eines Abends war er hinter ihr hergekommen und hatte gerufen: 23—75. Das war die Nummer seines Geschäfts. Sie sei auf den Tod erschrocken. Und dann hätten sie einander geliebt. Aber dann sei er krank geworden, nur drei Tage krank gelegen und gestorben. Und sie habe ihre Stellung verloren, als das Kind kam und sei nun Kontoristin. Gegenwärtig habe sie Urlaub, drei Tage.
Ginstermann hörte ihr von Mitleid ergriffen zu. Er schmiedete Pläne, auf welche Weise man das arme Weib erfreuen könne. Hätte er Geld gehabt, so würde er ihr soviel als möglich zugestellt haben: Ein Freund ihres Bräutigams, der Möbelzeichner K. habe diese Schuld abzuzahlen. Er bitte wegen der Verzögerung um Entschuldigung. Auch beschäftigte ihn der Gedanke, auf die Direktion zu gehen und dem Beamten die Nichtswürdigkeit seiner Handlungsweise vorzuhalten, ein junges Mädchen deshalb zu entlassen, weil es der Stimme seiner Natur gefolgt war.