Die Gewänder der Mädchen rauschten sanft. Es war ihm, als gingen sie sehr rasch. Diese Vorstellung wurde dadurch verstärkt, daß man ihre Schritte nicht hörte. Es war frischer Schnee gefallen.

Die Straßen erschienen breiter und öder. Dunkle, unnatürlich große Fußspuren liefen über die Trottoire. Die Bogenlampen leuchteten trüb, umflimmert von feinem Schneestaub, den ein großes Sieb über sie zu schütteln schien. Dunkle Gestalten tauchten lautlos auf, verschwanden lautlos. Irgendwohin. Schatten gleich, die die Straßen einer toten Stadt durchwandern.

Und sie selbst glichen solchen Schatten.

Ginstermann hatte das peinliche Gefühl, daß die Mädchen auf eine Anrede seinerseits warteten. Ja, vielleicht belustigten sie sich über ihn, der nichts wußte, als vor sich hinzugrübeln. Es war nicht ausgeschlossen, daß Fräulein Scholl ihre Freundin in den Arm kniff und in sich hineinkicherte.

Aber ein Seitenblick überzeugte ihn, daß sie beide in Gedanken versunken waren, die nicht in direktem Zusammenhang mit dieser Wanderung standen.

Beide lächelten. Aber dieses Lächeln war grundverschieden. Bei Fräulein Schuhmacher hauchte es aus den halbgeöffneten Lippen, bei Fräulein Scholl sprühte es in den Wangengrübchen.

Es schien, als denke die eine über etwas Hübsches nach, das in der Vergangenheit ruhte, die andere über etwas Hübsches, das aus der Zukunft schimmerte.

Fräulein Schuhmacher ging mit geöffneten Augen und blickte zu Boden, als beobachte sie das Spiel ihres Schattens, der bald vorauseilte, bald unter ihren Schritten durchschlüpfte. Ihr Profil war von vornehmer, reiner Linie. Die Stirne gedrückt und eigensinnig. Der Mund der eines Menschen, der wenig gelacht und viel gelitten hat.

Fräulein Scholl hielt die Augen geschlossen, und diese geschlossenen Augen lächelten.

Während ihre Freundin leicht vornübergebeugt schritt, das Wippen der Libelle im Gang, ging sie aufrecht, mit steifem Stolze. Den Kopf etwas auf die Brust gesenkt.