Man konnte sie sich gut als würdevolle Dame vorstellen.

Ginstermann sann darüber nach, was er den Damen sagen könne.

Der Wunsch erwachte in ihm, ihnen durch irgend eine Bemerkung aufzufallen.

Er war oftmals nahe daran zu beginnen, aber stets fand er die Bemerkung deplaziert oder banal. Die einleitende Bemerkung, einleitende Frage forderten sein Lächeln heraus infolge ihrer Ähnlichkeit mit den Ballgesprächen in den Witzblättern. Mit nervöser Hast suchte er in seinem Kopfe nach einem Gedanken, den er hätte anbringen können. Er hätte sich gern geistreich, witzig gezeigt. Er hätte den Mädchen gern etwas mit nach Hause gegeben, ein kleines souvenir de Ginstermann, etwas, das sie noch beschäftigte, während sie sich entkleideten. Etwas Frappierendes, das sie kopfschüttelnd zu fassen suchten, ein schönes Wort, das noch auf der Schwelle ihres Schlafes vor ihnen schimmerte.

Aber seine Gedanken schleppten altes Zeug herbei, das einem jeder von den Lippen ablas, wenn man es aussprechen wollte. Oder Einfälle, die er früher irgendwo geäußert, und suchten ihn zur Kolportage seiner eigenen Gedanken zu verführen.

Was sollte er diesen Mädchen sagen?

Sollte er ihnen einen Vortrag halten über die Schuld im modernen Drama, über die Phonetik des Dialogs?

Über die seelische Armut eines Mädchens aus guter Familie? Über Bücher, Theater, Musik?

Sollte er ihnen die Grimasse der modernen Gesellschaft mit höhnenden Strichen skizzieren?

Sollte er ihnen sagen: Meine Damen, so kahl wie dieser Baum hier ist unsere Zeit an Schönheit und dem Wunsche nach ihr. Aber es werden Generationen kommen, deren Schönheitsdurst so gewaltig sein wird, daß man das herrlichste Weib des Landes, nackt, auf geschmücktem Wagen durch die Stadt führen wird.