„Ich kaufe den Gauner,“ entschied sie.
Eine böse Wärme war an ihr herabgehaucht aus der Haut dieses der Amerikanerin neuen Typs: südliches Männchen, das auf Weibern lebt. Ihre eminent praktischen Nerven — wiewohl noch unerfahren — rieten zum Geschäft. Und Genia war fünfundzwanzig Jahre alt. — Die up-town und down-town clerks zu Hause: — das wurde automatisch am week-end aus einem city-block: so einem Kubus dummer Kraft, herausgeschossen, selbst ein kleinerer Kubus aus Homespun, endend in Stiefelkuben aus Leder; gab die Pfote kunstlos wie ein Bernhardiner und nahm die Reitpeitsche zum Reiten.
Heiratete man, blieb eigentlich alles gleich: Kleider, Hüte, der jährliche „trip to Paris“, Haufen von Geld. Genia kam sich sehr ins Ideale gehoben vor, daß ihr das nicht genüge. Nein, zum Geldverdienen waren die Eltern da — nicht nur dad, auch mommo hatte noch Verpflichtungen. Da war ein Jugendfreund in Minnesota. Genügend alt jetzt und vermögend ... auch hatte sich der Gynäkologe ihrer Mutter, auf Genias Erkundigung, durchaus beruhigend hinsichtlich etwa drohender Geschwister geäußert. Selbst wenn mommo so perfid hätte sein wollen. Daß dad nicht mehr heiratete, dafür mußte natürlich gesorgt werden; Archangelo aber würde bei der einzigen Erbin zweier Vermögen sich schon vorläufig mit einer Rente begnügen.
So hatte sie spielend, es war vor vier Tagen, eine Szene zwischen den Eltern in Gang gebracht. Hoffentlich die letzte. Mit blutgesprenkeltem Blick war dad zum Telephon gestürzt — hatte aus dem Dorf Giuseppe Piatti bestellt — sich in Skidreß geworfen, und war fort mit ihm. Erst zur Hütte, dann irgendwo hinauf; sein Gepäck solle man nach Zürich an die Adresse seines Anwalts schicken; direkt führe er nach der Tour hinunter.
Heute war Tango-Tee im Palace. In der Frühe des Nachmittags stoben Gerüchte auf, vor drei Tagen sei in der Suvrettagruppe eine Lawine niedergegangen, Spuren führten in sie, aber nicht mehr heraus. Man depeschierte an den Züricher Anwalt, bis jetzt war keine Antwort eingetroffen, noch konnte man also zum Tango-Tee. Abends lastete dann allerdings die ganze Verantwortung der Situation auf den beiden Frauen. Genia war tief erregt:
„Du kannst doch nicht Crêpe tragen, solange die Leiche nicht gefunden ist — eine Woche kann man verschüttet in einer Lawine leben.“
„Ich will doch nur das Korrekte tun.“ Mrs. Waanebeeker entrüstete sich — „aber man hat ja kein Beispiel. Nie noch war jemand aus unsrer „set“ verschüttet.“
„Dunkel, aber nicht Crêpe,“ entschied Genia.
Bis tief in die Nacht hinein war ein Hin und Wieder auf den Korridoren. Waanebeekers verhandelten mit der Rettungsexpedition. 30 Frs. pro Tag und Mann? — Das war ja horrend. Gut, fünf Mann sollten gehen.
Die Leute lachten. Die Lawine war durch die Talsohle gegangen, die andere Bergseite hinauf — hatte die Verunglückten vielleicht weit mitgerissen — auf zwei Kilometer, wenn nicht auf vier, mußte gegraben werden.