„Falls er es nicht vorzieht, sich zu erschießen.“

„Gegen das Erschießen haben wir allerdings noch keine Operation — aber es handelte sich doch um Freßsucht — von der ist er geheilt.“

Verdruß mit den Laien. Gar nicht einlassen sollte man sich mit ihnen — außerhalb der Ordination.

Nun sollte zur Stunde des dinner, gleichzeitig mit dem Großfürsten, die Kapazität eintreffen — Untersuchung und Gutachten blieben für den nächsten Vormittag anberaumt. Die Fürstin war zum besten. In einer heitren Wut an Grenzen ins Hell-Bacchantische. Sprach auch wieder, zum erstenmal seit Tagen. Der schwarze Kaftan wurde vor aller Augen auf dem Balkon mit Benzin gereinigt, die karierten Schlapfen geklopft; Ithnan mußte sogar den Coiffeur des Hotels holen, mit dem sie lange verhandelte. Er verließ ihr Appartement, eine Perle an der Krawatte. In Kugelwellen ging Begeisterung vor dieser sonst so glättenden Personnage her: „In der Tat, eine wahrhaft vornehme, eine durchaus seigneurale Gönnerin;“ da wisse man, wem man diene und wofür. Er schien wie in Brillantine getaucht und ward nachmittags beim Rennen gesehen.

Lange vor Abend erschien — ganz gegen ihre Gewohnheit — Helena Karachan in der Hall. Querhin, bis ans andre Ende, stieß ihre Stimme lanzettscharf:

„Elcho, bringen Sie schnell Peribanu fort — der Gynäkologe kommt und findet sich hier ein, ‚interessierter Laie‘, der gern ihren Uterus genauer von innen besehen möchte — legt er sie direkt auf die Bar. Allerdings, jetzt vor dem dinner, mit leerem Magen, vielleicht geht es nicht einmal letal aus.“

Sie hatte französisch, somit allgemein verständlich, gesprochen; wie eine zweite Schicht im Saal stand die Luft plan in allen Lungen hoch.

Zum erstenmal verlor Sobelsohn an betulichem Gleichmut, versuchte fast, sie aus der Hall zu drängen. Beim ersten Schritt schon hatte ihn Ithnan am Genick, trug ihn mit spitzen Fingern hinaus bis in eine ferne Besenkammer mit hoher Lichtluke, sperrte von innen ab und schwang sich oben hinaus — den Schlüssel zwischen den Zähnen. Sobelsohn hörte ihn wie eine Echse von Gesims zu Gesims rascheln, dann, es war aus Stockhöhe, einen dumpfen Sprung in den Schnee. Drei Minuten später stand Ithnan mit gekreuzten Armen hinter seiner Herrin wie zuvor.

Sie saß nun neben Horus, Gargi hatte sich entfernt, während die übrigen Damen fluchtbereit, doch hingegebenen Ohres die beiden umflatterten.

„Was, Sie kennen unsren Simon nicht, unsern Geheimrat und seinen letzten Triumph? Durch alle illustrierten Zeitungen ging doch der Gelehrtenkopf mit dem Denkerbart. Daß die Wissenschaft souverän sein und bleiben müsse — — er hat es glorreich bewiesen. War da eine mechante Chose: durch die Stadt, deren Frauenklinik er leitet, reiste jüngst ein Prinz. Der wußte — es regnete grade — mit seinem Vormittag nichts Rechtes anzufangen. Kino — nischt, Museum — Quatsch. Aber dem Lysolonkel könnte telephoniert werden, man möchte gern wieder mal ’nen Damenbauch von innen sehen. Ça fait toujours plaisi-i-i-r. Leider war keiner parat. Der Gelehrte, geschmeichelt durch das wissenschaftliche Interesse des hohen Herrn, pumpt behende einer Frau den Magen aus und läßt sie, trotz ihres Sträubens, narkotisieren, in Erwartung irgendeines Botokudenkreuzes für Kunst und Wissenschaft oder sonst eines mittleren Hundssterns. Die Frau stirbt natürlich in der Narkose infolge des flüchtig und ungenügend ausgepumpten Magens. Man hat vor Laparotomien, wie sattsam bekannt, vierundzwanzig Stunden zu fasten.“