„Noch eine musikalisch dichterische Vorahnung der glorreichen Erfüllung haben Sie vergessen, Geheimrat Simon,“ der Fürstin Ton war bezaubernd, „daß Amfortas noch während der Heilbehandlung den Geist aufgibt.“
„Durchlaucht belieben ungerecht zu scherzen. Störende Nebenerscheinungen, die der Laie zu überschätzen geneigt ist, sind zuweilen unvermeidlich.“
„Gewiß, gewiß, und da Sie uns so treffend, auch frei von der üblichen verschwommenen Mystik, die Serumbehandlung aus dem Geist der Musik erläutert haben, gestatten Sie mir, Ihnen zum Dank, die modernste Gynäkologie bis in ihre kleinasiatische Heimat an der Hand der Bibel nachzuweisen. Denn schon Evangelium Marci V, 25 steht geschrieben:
„Und da war ein Weib, das hatte den Blutfluß zwölf Jahre gehabt und viel erlitten von vielen Ärzten und hatte all ihr Geld darob verzehret und half sie nichts, sondern vielmehr ward es ärger mit ihr.“
Der Großfürst schmunzelte. Und es schmunzelte noch weit über die Tische hin und wieder zurück zu Simon. Da war es aber schon etwas in Gärung übergegangen. Und es gor:
„Wart, altes Beast. Hab ich dich erst unter dem Messer gehabt, sollst du mir für den Rest deiner Tage so schön jede halbe Stunde in dich hineinvomieren, daß dir keine Zeit bleibt, verdiente Männer mit deinen Niederträchtigkeiten anzuspeien.“
Und von nun an summste er devot ausschließlich um den Großfürsten herum.
Versöhnlich reichte sie ihm nach aufgehobener Tafel die Hand, und als er sich darüber neigte:
„Also darf ich Sie morgen pünktlich um elf Uhr zur Untersuchung erwarten; ich sehe Ihrem Urteil mit so viel Ungeduld als Vertrauen entgegen.“
Dann auf Ithnan hinter sich weisend: „Sie haben keinen Diener bei sich, darf ich Ihnen den meinen für morgen anbieten?“