Tausend Prozent.
Auf was wartete dieser asiatische Wucherer denn noch? Dort schritt er über die Piazetta — schien immer über alles hier wegzuschreiten und trat es doch nicht nieder dabei. Diese Höflichkeit gegen seine Sklavenprinzessin! Kein Zweifel, entweder sie hatte das Geld oder wußte eine ganz üble Schweinerei von ihm. Jetzt nahmen sie einander gar bei den Fingerspitzen wie Kinder im Märchen. Perverse Sache.
Ja, sie gingen Hand in Hand, wie einst zur Schillerfalterjagd, auf hohen, schlanken Beinen in die Goldhöhlen von San Marco hinein. Gargi um Weniges voraus. Hier in der Insel von Byzanz, schwimmend auf gestohlenen Säulen des Ostens, blühten wieder die unerhörten Farben ihres Sonnenblutes auf, glänzend wie Blätter; über Silber ein grünlicher Samt. Als Ampel, auf magischer Spur, leitete sie den Mann an hingekreuzigten Tieren, toten Engeln und Goldadern entlang, in lieblichem Triumph einem noch Dunklen zu — vor Freude ernst. In der Apsis, hinter der malachitnen Schlachtbank für das Meßopfer, hob sie den schweren Ledervorhang — ließ ihn schauen:
In den Raum der pala d’oro.
Durch seine enge Nacht hing leuchtend die morgenländische Altarplatte aus Gold und aus Lazur. Gebuckelte Juwelenbeeren trieben blasig aus ihr und um die erzenen Engel ihres Grundes. Auf diese Engel fiel von oben Honigschein einer Kerze hoch aus der Hand eines neuen Wesens. Einer Frau?
Es stand wie wehender Springbrunnen — wie Lebenskraft fabelhaft aufgeschossen zu einem einzigen verwegenen Strahl. In eine Natürlichkeit kühneren Ranges hinauffließend — schwerelos.
Der Elf von einem großen Stern.
Die blanke Nadel am Faden einer feinen Spur.
An dem Zittern der Wasser seines Lebens hatte er sie schon hinter dem Ledervorhang erkannt, jetzt von rückwärts an den Sprunggelenken. Kühn und scheu hielt sie die Kerze einem dunkelhäutigen, eher kleinen Mann — wie beglückt, ihm so Schönes weisen zu können, und glich an Haltung ganz jenen Cherubim aus Niello und Opal, die ihr wie fernes Geschwister entgegen zu wandeln schienen aus dem goldmilden Grund. Des dunkelhäutigen Mannes Blicke schwollen wie Beeren. Aufsaugend gingen sie von jenen zu ihr, füllten sich mit dem Gewonnenen. Dann glitzernd, schmeichelnd, leise:
„Mein pala d’oro-Wesen.“