Das Niveau sank stumm und unbegreiflich schnell. Hoch und leer hing die Konversation noch darüber. So oft die Person am Teetisch zu hantieren begann, klirrte das goldne Gliederarmband und sie schob es die klebrige Hand auf und ab. Samossys Blick fing sich daran. Wurde hämisch, irr, hilflos, dunkler Süchtigkeit voll. Er ignorierte sie und schien doch seit ihrem Eintritt an allen Organen verschroben.

Der Gast ging.

Schon war Licht angesteckt hinter den Glasscheiben voll käsiger Frauengesichter, vor ihren Tellern gehäuft mit fadem Kram.

Das war also des weiß-goldnen Traumes neueste Wandlung:

Pallas und Nausikaa: Dallmeyers Hörerinnen. Nicht geschürzte Korybanten etwa im Brunstschweif eines Gottes, Hindinnen anspringend und zerreißend, entrückt von ihrem tanzenden Blut. Nein, Pallas und Nausikaa: inskribierte Mänaden im Laboratoriumsschurz, mit spitzem Gelüstchen und spitzerem Skalpell in den Geschlechtsteilen gemarterter kleiner Tiere herumschnitzelnd, bis der Orgiasmus zu dreimal Apfelkuchen mit Schlagsahne gerann. Jetzt glitten die andern Glasscheiben wieder vorbei und hinter ihnen auf Pappe: „Der vornehme Mensch“ — „Stil“ — „Kultur“. Dann Ladenschluß. Blindes Blech rasselte über die Rachen der Geschäfte.

Samossy lud ihn zu seinen Vorlesungen, auch andre Professoren. —

Jugend saß hier herum, ruhte gründlich sein überfressenes Gedächtnis aus. Nur die vor Rigorosen standen, mußten wegbleiben. Auch Krause.

„Keine Zeit auf die Universität zu gehen,“ quäkte er gereizt, „der Mensch muß ja schließlich doch mal was lernen — promoviere heuer.“

Die Übrigen aber räkelten süß das Hirn. Ihr Dionysisches schien sich mehr in den W. Cs. zu konzentrieren. Auch das Rassenideal war dort wie zu Hause. Bunte Etiketten mit: „Juden hinaus“, klebten an allen Pissoirwänden, neben mit Bleistift festgehaltenen Vorgängen aus dem Geschlechtsleben. Unter diesen stand wieder mit andrer Hand:

„Und das sind die Arier.“