„Großer Kerl Kasten Master haut ihn er zu viel schreien.“
Nur daß bisher Niemand in Asien gefunden hatte, der Begriff: Klavier sei in diesem Kraut- und Rüben-Ausdruck konziser geworden, weil der Kuli die Artikel weggelassen.
Schließlich endete es wie immer an hohen Geistesfesten hier: alle pfauchten Kultur durch die Polypen ihrer Nase oder stelzten auf den Eiszapfen ihrer Phrasen einher, bis Scheuer-Weiber, aus Spülicht gezeugt, Kübel voll Grauen durch ein Lokal erbrachen, das vor Entsetzen Kopf stand auf Inseln aus Kaffeesud und Tabak.
Der Fremde sann: Da sind sie so stolz; weil alle hier Lesen und Schreiben können, und können doch nicht stehen, schreiten, ruhen, grüßen, danken, also: leben. Somit eigentlich doch auch wieder nicht „lesen und schreiben“, insofern „Lesen“ Erfassen fremden Lebens — „Schreiben“ Lautform des Eigenen ist.
Professoren traf man selten im Café. Nur eines Platzregens wegen war Dallmeyer flüchtig hereingetropft, mit ihm eine dunkle, eher feine Person, und drei slawisch-germanisch-semitisch gewürfelte Kinder. Beim Anblick Bekannter wehte der Lodenkomet samt Schwanz eilig von dannen. Krause, gleichfalls im Fortgehen, grüßte nach, schlug sich auf die Froschschenkel: „Familie Dallmeyer.“
„Daß ein so rabiater Antisemit eine Jüdin zur Frau und, wie es scheint, gar Kinder mit ihr haben mag,“ meinte Horus.
Krause verteidigte den Gönner:
„Oh, das ist nur eine Gewissensehe. Er kann sie jederzeit ruhig sitzen lassen.“ — Krause betrachtete wohlgefällig seine Couleur durch die Regenhaut hindurch. — „Die Kinder illegitim, da braucht er so wenig zu zahlen — nein, das zählt wirklich kaum.“
In seiner zerstreuten Verblüffung griff Horus nach dem Blatt, das der Enteilende zurückgelassen. Seit jenem ersten Morgen in Paris hatte er keine Zeitung mehr berührt. Schon eine Tatsache auf diesem Weg erfahren, schien ihm, als solle er seinen Durst mit Wasser aus einem Kamelmagen stillen. Was er jetzt in Händen hielt, war eine akademische Fachschrift: Deutsche Korpszeitung stand darauf: ja, war er denn irrsinnig geworden ...?
„Und die Möglichkeit des Vieltrinkenlassens ist auch notwendig. Verbieten wir das Resttrinkenlassen, so kann jederzeit jeder trinkfeste Fuchs jeden weniger vertragenden Korpsburschen in Grund und Boden trinken, und die Autorität ist hin oder aber, wir schaffen die Bierehrlichkeit und damit die Grundlage jeder Kneipgemütlichkeit ab. Verbieten wir das Vollpumpen, so geben wir ein Erziehungsmittel aus der Hand. Die Kneipe ist für uns, was der vielgelästerte Kasernenhofdrill, der Parademarsch für den Soldaten ist. So wie dort das hundertmal wiederholte ‚Knie beugt‘ nacheinander Faulheit, Wurstigkeit, Trotz, Wut, Schlappheit und Ermattung überwindet, und aus dem Gefühl hilfloser Ohnmacht und völliger Willenlosigkeit vor dem Vorgesetzten die Disziplin hervorgehen läßt, so bietet bei uns der ‚Rest weg‘ dem Älteren vor dem Jüngeren immer Gelegenheit, seine unbedingte Überlegenheit zu zeigen, zu strafen, Abstand zu wahren, die Atmosphäre zu erhalten, die für das ständige Erziehungswerk des Korps unbedingtes Erfordernis ist, wollen wir nicht Klubs werden. Der ‚Rest weg‘ ist nicht immer, nicht bei jedem angebracht, aber es muß über der Kneipe schweben ...“