Nun wuchs aus dem Plüschläufer plötzlich der Hoteldirektor heraus — in kriechendem Salonrock und weißer Atlasbinde — letztere immer neu aus dem alten Brautkleid seiner Frau geschnitten, und verteilte in falscher Hausväterlichkeit die Mittagsration Banalitäten von Tisch zu Tisch. Horus Elcho wisperte er so ungefragt als wichtig zu, die Herrschaften in der Ehrenecke seien ihre fürstliche Gnaden die Durchlaucht W. und ihre Gesellschaft — der melierte Herr in der Pepitahose neben der Fürstin, Exzellenz Graf X., lenke die äußere Politik des Landes. Am Tisch der Durchlaucht meldete er wieder, die Fremden da, die Neuen, hätten chinesische Dienerschaft mit und kämen gar aus Indien. Die „Fesche“ atmete herablassend auf:

„Na also — a Murl is.“

In der Ehrenecke war man indes vom Französischen endgültig abgekommen, nachdem das Wort „Kokotte“ wiederholt und deutlich gefallen. Offenbar sollte damit gemeint sein, was in Paris „femme entretenue“ heißt. Nun wandte sich das mit Kose- und Eigennamen reichlich durchsetzte Gespräch irgendeinem alpinen Jagdunfall zu:

„Und wie er aus die Wänd scho beinah heraust war,“ berichtete die melierte Exzellenz, „is a Steindl wie eine Erbsen oder wia Haselnuß von ganz oben kommen, das hat ’n am Kopf erwischt und aus war’s.“

„Aber geh, Ferdi, plausch nicht,“ tadelte die Durchlaucht und wiegte den winzigen Straußenkopf.

„A so a kleins Steindl kann do net an Menschen erschlagen!“

„Na, wanns von so hoch kommt.“

„Was is da für a Unterschied — — was sein das wieder für neumodische Sachen.“

Der Minister sammelte sich in seiner letzten Erkenntnis vom Theresianum her:

„Wann’s von weit fallt, nachher wird’s schwerer, a jed’s mal,“ fügte er, nachdenklich geworden, hinzu. Doch die andern drängten, daß man das wissenschaftliche Gebiet endlich verlasse, um zu leichteren Gesprächsthemen zurückzukehren.