„Hast scho g’hört — — der Rudi hat an H-Hahn g’schossen?“

„Ah geh, der Rudi hat an H-Hahn g’schossen — jetzt außer der Zeit.“

„Ja, hast net g’hört, Mittwoch hat ern g’schossen.“

Horus stand auf, nach Wen-Kiün zu sehen, ob man ihr ungeschälten Reis gebracht und Fisch, wie er bestellt. Kaum war Gargi allein, als wieder ein Schnuppern begann, saloppes Zusammenrotten, um den Moment der Wehrlosigkeit einer Dame nicht ungenutzt verstreichen zu lassen. Jene „Fesche“, die Gargis Rasse mit so tiefer Einsicht vermerkt, stand eben auf, mit ihren Begleitern den Darm des Saales durch einen perforierten Appendix zu verlassen. Gedrängt — gleichsam hingespült von allem Abschaum — vielleicht auch nicht mehr ganz nüchtern, murmelte der gänzlich verfaulte Oberleutnant im Vorübergehen Gargi ins Gesicht:

„Sie gefollen mir aber schon garrrrr nicht.“

„Behalten Sie Ihre erotische Meinung für sich, nach der Sie nicht gefragt worden sind und entschuldigen Sie sich augenblicklich bei der Dame“ — Horus stand vor ihm. „Wird’s ... drei Sekunden gebe ich Ihnen Zeit.“

Sollte er nicht doch lieber kneifen? Aber schon hatte es sich hinten an den Fremden herangeschlichen — die gesamte jeunesse dorée des Lokals — und eine Traube von Ministerialbeamten hing plötzlich an seinen Armen — hielt ihn von rückwärts fest. Nun riß der Krieger seinen Säbel heraus, schrie etwas von beleidigter Ehre, rief alle zu Zeugen auf und machte sich unter den anfeuernden Rufen von Damen und Herren daran, einen völlig Wehrlosen mit blanker Waffe zusammenzuhauen.

Leider wies es sich, daß eine lediglich an Ohrfeigen erzogene Jugend intelligenteren Formen der Brutalität gegenüber versagt. Durch eine ungeahnte Drehung aus Schulter und Hüfte des Gefesselten barst die trübe Traube, kollerte abgerebelt beerenweise auseinander. Ein Griff, und die Rechte des Oberleutnants lag krumm geschlossen auf dessen Rücken. Quer durch den ganzen Saal flog der Säbel — gerade in den Spucknapf, wo er als zuständige Waffe zitternd stecken blieb. Und dann — der Unterkörper seines Gegners lag in einem Leg-Lock festgeschraubt — ganz langsam, ganz ruhig in dem Panzer seiner Wut, tastete sich Horus an diesem krummgeschlossenen rechten Arm entlang — verschob ihn erst ein Weniges in den Gelenken und immer mehr — — Der Krieger winselte um Gnade, dann mit einem kurzen Ruck, brach er dem halb Ohnmächtigen den Knochen, knapp über dem Ellenbogen, ab. Überlegte: sollte er ihm zu mehr offensichtlicher Erinnerung das Nasenbein eintreiben? Aber das hatte ja bereits sein Vorleben klaglos besorgt. Ließ also die Arme sinken und wartete ruhig auf seine Verhaftung. Wußte: Notwehr hatte er weit überschritten und sich schwerer Körperverletzung schuldig gemacht. Gewiß verständigte schon der bestialische Herr mit den rotgestreiften Hosen die Polizei, denn er war — kaum flog der Säbel in den Spucknapf — zwei Spargel im Mund, in der Flaggengala seiner Serviette mit Linksgalopp zur Tür hinaus.

Doch nichts geschah. Und seltsam — hub da nicht ein Wedeln an, als wäre es an ihm — als lägen Gnaden in seiner Hand? Der Hofrat fand zuerst Worte:

„Bittsi, bittsi, Sie wern do nicht eine Anzeige machen.“