Horchend hingegeben dem geheimen Rhythmus, mit dem die Essenzen des Lebens in ihren tiefen Kelchen — kraft so vieler Liebkosungen — einander wunderbar entgegenfluten. Gesteilt — getürmt.

Sie verströmen in die verborgene Mond- und Sonnenspringflut: die Gezeiten des Eros.

Lang durch sie hin geht die selige Wehe.

Zur Stunde der Krähe, Tau im Haar, waren sie heimgekehrt. In wonniger Ermattung entschlummert, hoch oben auf der Terrasse aus rosigem Granit.

Inmitten der Nacht tauchte Horus aus dem Tiefschlaf. Heiß vor Wirklichkeit, ganz glücklich, wach zu sein — da zu sein.

War auch Gargi wach? Trunken taumelte sein Gesicht dem ihren zu. Vor dem Lichtjubel seiner Seele kreisten die riesigen Opale ihrer Augen, deren Wimpern wagrecht in die Schläfen schnitten, dem kindlichen Haupt etwas Durchleuchtetes gaben.

Sie erhoben sich vom weiten Lager, schritten — zu einem Wesen geschlossen — bis an die Brüstung, die das Halbrund der offenen Schlafterrasse umlief.

Dem Garten enthoben sich die Farben der Nacht. Über Blüten und Wegen stand strahlende Materie der Finsternis. Griffen tastend in Blumen, lehnten sich weit hinaus in den veilchenhaften Samt des oberen Abgrunds, aus dem Gestirne gehangen kamen, groß, frei schwebend: Kitalphar — Archanar — die Beteigeuze. Der Raum sog die Seelen an. Es war so schön, daß man nicht denken konnte — kaum fühlen — nur schauen.

Ihre Hände öffneten sich dem Astralschein: magnetischem Puls kosmischer Zentren. Die schlanken Finger streckten sich — Antennen — feinste Sender und Empfänger dem Äther und seinen namenlosen, unirdischen, alles lenkenden Wirbeln entgegen.

Fern aus dem Dschungl kamen, in Pausen, die Weltlaute reißender Liebe; schwimmend in einer Stummheit: Gepfauche auf Tatzen der Unrast — Brautgebrüll — Zischen — aus dem Ganz-schwarzen ein Blutschrei, kühn wie die Not.