Sicher fühlten und gefeit.“
Die Dame kam, verschrieb wappenreiches Briefpapier, schickte Blumen, verhätschelte Charmion. Und aus ihr sprach immer ein anderer. In ganzen Schnüren von Sätzen kamen seine Worte. Erschrocken stockte sie, hatte sich auch nur ein Adjektiv verschoben — fing noch einmal an, bis es originalgetreu saß. Diese Hörige schien resolut, zäh, schlau, doch alles Eigenwüchsige war ausgetrieben, nur die Vitalität hatte er ihr belassen, seiner eignen zur Verstärkung, wie es schien.
Als sie abgereist, schauerte ein Regen von Papier hintennach, wie blinkende Schnitzelchen aus einem Reklameballon. Auf einer der Karten stand:
„Dank, Dank, für alle Lebenssteigerung, die Sie, einfach durch ihr Sein, mir gespendet haben. Hoffentlich sind Sie so zufrieden und glücklich, wie Sie scheinen, und nur das Gute erfüllt sich, das in diesen vornehmsten aller schönen Hände für den Kundigen geschrieben steht. Und wenn Sie doch einmal einer Brangäne bedürfen, so rufen Sie mich.“
Von nun an unterschrieb sie sich nur mehr: „Brangäne.“
Ralph Herson selbst hatte während der Episode Tatjana geschwiegen. Nun schrieb er wieder:
„Lady de Walden dankt mir in einem begreiflich überschwenglichen Brief, daß ich ihr zu Ihnen, der früher nur aus Bildern Gekannten und danach schon Verehrten, einen Weg gebahnt. Es ist mir immer erfreulich und eine Art Ziel der Lebenskunst, wenn ich mit einem Schlag mehreren Angenehmes erweisen oder nützen kann, und so hoffe ich, daß auch Ihnen die Begegnung erfreulich war.“
Nein, ein Ende machen. Es war zu viel, dieses ruhelose Ineinanderspielen von Händen, dieser vorgeschobene Posten in glühendem Spionagedienst, dieser neue Trabant und Zwischenträger, Konduktor und Strahlenleiter und Wärmevermittler. Es war zu viel. Ein widerwilliges Herzklopfen befiel ihre Selbstachtung beim Kontakt mit dieser „Lady“, bei der alles fragwürdig bis auf das Sklaventum. So also dörrte er einem die Würde aus — dieser Samum. Entwurzelte Menschenzungen, dieser Vivisektor, pflanzte Papageienzungen dafür, auf daß sie einzig seinen Ton verstärkten. Nein, genug.
Da depeschierte er aus Genua:
„Lady de W. ist schwer, vielleicht lebensgefährlich erkrankt, ein paar freundliche Zeilen von Ihnen, die sie so grenzenlos und heimlich liebt, würden ihr im Innersten wohltun. Wenn irgend etwas Gemeinsames zwischen uns ist, erfüllen Sie meine Bitte, von der die Kranke natürlich nichts weiß, und senden Sie ihr, durch mich, einen Gruß. Es gibt Arzneien, die nicht in der Apotheke zu kaufen sind.“