„Daß ich jetzt nicht nach meiner innersten Art schenken kann,“ sagte er einmal trotzig, als sie durch die juwelene Rue de la paix gingen — „es demütigt mich. Da ich aber das schönste lebende Material verschmerzen mußte, verrannte ich eben meine Mittel in Totes —, und so wird es am Ende von mir heißen, daß ich geizig bin.

Wie — wie soll ich dich jetzt würdig genießen?“

Nun, so weit es an ihr lag, sollte auch der anspruchvollste aller Sinnenprinzen nichts zu vermissen finden. Sie bot ihm jenes letzte Zusammenspiel der Tadellosigkeit zu allen Stunden, das nur in Nerven anspannender Mühsal, um ein Vermögen bei den ganz großen Couturiers, erreichbar ist — für Wenigste. Fuhr manchmal eigens über den Kanal, um ein tea gown, einen Hut. Schade, daß ihre Mittel nicht so unbegrenzt. Doch nur ein einziges Mal versuchte sie zu sparen.

Es war in Rom. Am nächsten Abend sollte er eintreffen, ein Märchengewand, von Fortuny, lag schon bereit, da sah sie ihren Kontoauszug durch — und erschrak. Scheidung, Schenkung, Reisen, der vielfältige Luxus, den er als Ästhet brauchte zum Genuß, hatten mehr verschlungen, als sie geahnt. Was für Schuhe zu dem graugoldenen Nebelgewebe morgen? Roter Saffian, geschnabelt, und im Schnabel oben hängend, eine schwarze Perle. Der Kontoauszug. Sie seufzte, und verzichtete weise, doch bedrückt, auf die schwarze Perle.

Nach Stunden erschöpfender Pflege war sie pünktlich zur Minute — er liebte Warten nicht — im großen Vestibul: dem Treffpunkt. Wartete. Ging auf und ab. Ging ans Klavier. Spielte. Nacheinander gespannt, erregt, beflügelt, besorgt, enttäuscht, leer und namenlos zermartert. Drehte endlich mutlos der Treppe zu. Da kam er, verschlagen und selig, hinter einem Pfeiler hervor:

„Ich habe mir gedacht: erst schau’ ich, macht sie ein gar zu böses Gesicht, schleich’ ich mich wieder weg.“

Hatte unbemerkt in ihrer Art zu warten geschwelgt, und wie man ihn vermißte.

Sie umflammend, nahm er oben im Schlafgemach das Saffianschiffchen am Ende des feinen Seidenbeines an sein Herz, küßte die rote Spitze.

„Wäre ich reich, hier hinge morgen eine schwarze Perle — riesengroß.“

Dies: „wäre ich reich“, scherzend nannte sie es: seine irreale, hypothetische Periode. Doch das Festliche des Wiedersehens war für diesmal verdorben. Der nächste Kontoauszug blieb uneröffnet. Das Sparen hatte er ihr somit abgewöhnt und gründlich.