Dhruva zog sich an die Ufer des Jumna zurück, tat, wie ihm die Munis geheißen. Tag und Nacht, ohne Nahrung, ohne Schlaf vibrierte sein ungeheurer Wille einwärts gewandt in ihm, erweckte Kundalini, verwandelnd seinen Leib, daß er durchsichtig ward wie ein Schatten und Vishnu zwang, in ihm offenbar zu werden. Als aber das geschah, ward er auf einmal so schwer, daß die Erde das Gewicht des winzigen Asketenschattens nicht mehr zu tragen vermochte.

Verstört suchten die unteren Götter auf jegliche Art Dhruva aus seinen Devotionen zu reißen. Umsonst. Da flehten sie zu Vishnu um Hilfe:

‚O Vasudeva,‘ klagten sie, ‚wie der Mond Tag um Tag an seiner Scheibe wächst, so wächst dieses unbezwingliche Kind, kraft seines Willens, in übermenschliche Macht hinein. Wir wissen nicht, wonach er strebt: ist es der Thron Indras, die Herrschaft der Sonne, oder sind es die Schätze der Tiefe, die ihn reizen. Erbarme dich, Herr, nimm den Alp von uns, mache, daß der Sohn des Uttanapada abläßt von seinem Tun.‘ Da stieg Vishnu in Person herab, mit Dhruva zu verhandeln und gewährte des Asketenkindes Wunsch: für immer so hoch zu stehen, daß nur Gebete ihn erreichen, indem er Dhruva zum Polarstern des sichtbaren Universums erhob.“

Manchmal wieder ward Ganapati Sastriar flammicht ritterlich in seinen Fasten, erzählte den strahlenden Haß der Prinzessin Amva von Benares:

„Um Bhishma zu vernichten, hatte sich die holde Tochter des Königs von Kaçi jahrelang den furchtbarsten Kasteiungen unterworfen, bis ihre Macht groß genug geworden, um dem Gott Mahadeva das Versprechen abzuzwingen: nach ihrem Tode solle sie ungesäumt als Krieger wiedergeboren werden, der den unbesiegbaren Bhishma schlüge. Mit dem Wort des Gottes ging die Lotosfüßige an die Ufer des Yamuna, häufte und entzündete einen Holzstoß, bestieg ihn sodann im Angesicht aller großen Rishis mit dem Ruf: ‚Zu Bhishmas Vernichtung‘.

Doch die Flammen bogen rundum aus vor ihr, daß sie unversehrt im feurigen Kelche stand, und es kräuselten sich die Lippen des Rauches und sprachen: ‚Oh, Lotosfüßige, wir wollen so Holdes nicht vernichten.‘

Da ließ die Prinzessin den reinen Haß aus ihrem Herzen flammen, entzündete eins ihrer Glieder nach dem andern an ihm und verbrannte aschelos wie ein Diamant. Stürzte ungesäumt ihre Seele in den härtesten Schoß, tauchte aus ihm als junger Kriegsheld, unter dessen gnadelosen Händen der sterbende Bhishma noch einmal in das Auge der Amva von Benares sah.“

Keine Scheibe der Horcher heute. Sie waren enttäuscht. Dann getröstet: „Oh, er macht ‚neti Karm‘, da wird abends seine Nase neu sein und seine Kehle freundlich.“ — Aus jedem Nasenloch hing dem Märchenerzähler ein gedrehtes Seil von ungesponnener Baumwolle; die andern gewachsten Enden, innen bis zur Nasenwurzel hinauf und hintüber durch den Rachen gezogen, kamen wieder beim Mund heraus. Wie Zügel hielt er alle vier in Fäusten, zog sie ab und auf, her und hin. Stunden dauerte die Reinigung.

Abends erzählte er wieder, um ihn die Scheibe der Horcher wie das Blatt um den Lotos: „Die Episode der tausend Jahre“:

„Unübersehbare Zeiträume schon hatte die Rivalenschaft in der Askese zwischen dem Kshatriyakönig Vismavitra und dem Brahmanen Vasishta gewährt. Schließlich hatte der furchtbare Kshatriya elf unerhörten Kasteiungen durch elf Jahrtausende obgelegen, aber immer noch hatte er die Brahmanenschaft, deren er zum Endsieg über Vasishta bedurfte, nicht zu erringen vermocht, seine Macht aber war bereits ins Unermeßliche gewachsen. So beschloß er, seinem Gegner wenigstens zum Tort, einen gewissen Trisanka, den die Priesterschaft in Bann getan, wie er da war in seinem menschlichen Fleische, unter die Himmlischen zu erheben.