„Bedenke, er war Erpressungen ausgesetzt. Verfolgungswahn, nichts weiter. Er ist krank. Kann man nicht auch einen Kranken sehr lieb haben?“

„Krank? Ein recht gesunder Wucherer. Selbst aus Erpressungen, an ihm begangen, versteht er es noch Vorteile zu ziehen, markiert Verfolgungswahn, um seinen einfachsten Verpflichtungen heuchlerisch sich zu entziehen.“

„Und weiß nicht jede Pore deiner Haut von Liebe, wie sie nur im Märchen vorkommt?“

„Ja, solang’ es nur Vergnügen war. Zu einem Tee im Ritz reicht die Liebe, falls die Dame ihren beau jour hat und — den Tee bezahlt.“

„Weißt du denn wirklich, was er wollte in dieser schrecklichen Nacht? Hast du dich verhört am Ende? Warum nicht in Ruhe und Geduld den Kontrakt bei Tag noch einmal prüfen?“

„Aufs Nichtprüfen war es ja angelegt. Selbst um den ehrlichen Heiratsschwindel hat er sich noch herumzuschwindeln gewußt. Ist es nicht gerade meine Qualität, nicht pfiffig zu sein? Klugheit zu verachten? Oft genug schlich er sich mit Nachschlüsseln der Konversation in mein Innerstes ein, um das zu wissen.“

„Warum darfst nur du unklug sein, nicht auch er? Vergriff er sich nicht lediglich im Mittel? Durch deine Rechtlosigkeit solltest du ihm sicherer sein. Hat je eine Frau gezürnt, weil man sie angekettet, um sie besser küssen zu können.“

„Welch ein Arzt und Physiologe, der es nicht besser weiß, als eine gravide Frau zu beunruhigen? Anketten? Er läßt dich doch hilflos monatelang umherirren — ganz allein. Ist es nicht, als sehe man ruhig zu, wie ein Fieberkranker aus dem Fenster springt, und denkt dabei: ist er unten heil gelandet, wird er später schon wieder einmal depeschieren.“

Ach nein, alles hoffnungslos, und sie warf die Stimmen wieder in sich zurück.

Dann eine Pause bitterster Verliebtheit. Was war die ganze alberne Ethik gegen das Wehen seiner Haare im Wind!