Er nickte, offenbar gewillt, die lebende Ware franko mit Zustellung zu übernehmen. Behielt sie gleich im Haus. Sibyl zog ins Hotel. Vom Neubau stand sonderbarerweise noch immer kein Stein, in der alten Landvilla aber mußte erst Platz geschaffen werden. Auch kam die Zeit des Jahres, da ihr Charmion gehörte; da war kein Tag zu verlieren, mochte geschehen, was wollte. Man hatte sich geeinigt, nach ihrer Rückkehr die Eheformalitäten zu erfüllen, bis dahin sollte das Baby bei ihm im Verborgenen bleiben — diskret. Er tat peinlich erstaunt über diese Scheu, als kennte er die sozialen und rechtlichen Folgen für sie nicht. —

„Was kümmert das einen freien, modernen Menschen.“

Und er hob die Schultern. Preßte sie in diesen Tagen aus bis in die Sinnenspitzen. Seine wissenden Hände, seine raffinierten Gluten überströmten sie, seine Blicke aus bösem Samt liefen brennend ihren zarten Schenkeln nach, doch hinter seiner Stirn blieb er für sich. Ward sie unter seinen Liebkosungen zu schön, glatt wie das Licht, duftend nach Birken und Erdbeeren in dem langen Glück ihrer Haare, zog er sich hart, feig, lauernd zurück — nie erster Regung folgend.

Sein Mund war voller Küsse, die er dann boshaft wieder zerbiß. Aus Angst vor der eigenen Hingabe klügelte er unmöglichen Anspruch aus, in der Hoffnung, enttäuscht zu werden. So jagten sie hutlos durch Salzgischt und Mittagsglast, aber wehe, hatte die Linie des Lichts dann Grenzen gebrannt auf Milch und Silber des abendlichen Ausschnitts. Im Gesellschaftskleid — er liebte Förmlich-Festliches am Abend, — führte er sie nach dem Diner noch in die Dunkelheit hinaus, Wege voll Gestrüpp, durch Dornenhecken und boshaft dann ins Lampenlicht zurück. Ein Fleck, ein Riß, und triumphierend angewidert sah er diskret zur Seite.

Kam sie korrekt in Juchtenstiefeln die steinigen Wege daher, vermißte er das offene Spiel der feinen Fesseln, kam sie in Schuhen, wars nicht Stil.

Bei einem alten, schwerhörigen Bauer blieb er stundenlang, ließ alle Rede mit dem beinahe Tauben ihr, damit die weiche, gepflegte Vogelstimme, zum Schreien gezwungen, hier ihren Reiz verlöre.

Sie trug es, wie man mit dem Gefährten auch schlechte Zeiten trägt. Die Zeit der Wahl lag lang schon hinter ihr.

Nie ging er mit bis zum Hotel; kam es in Sehweite, nahm er Abschied. Endlich in ihr Staunen hinein, gereizt, daß sie ihn nicht von selbst begriff:

„Der Portier sieht mich bereits ein wenig sonderbar an — deinetwegen. Unter diesen Philistern muß man vorsichtig sein.“

Sie lachte ein wenig traurig: