Sie ging. Lahm vor Ekel. Auf der Straße, in einer Gruppe Leute, hob eine Frau das Lorgnon, frug:
„Was, die kennen Sie nicht?“ rief einer aus dem Kreis: „Ich werde Ihnen gleich ihre Geschichte erzählen,“ und Tratschgeifer troff ihm schon aus dem Mund.
Fern und leicht, das Gesicht hoch wie ein Windenkelch, schritt sie knapp an der Gruppe vorbei, und in den längst ausgefressenen Bahnen der Empörung jagte ein Verzweiflungskrampf den andern durch ihr Hirn.
Jetzt schlug ein Haßstrahl leuchtend seine Kraft hindurch: die Zwillingskraft der Liebe, doch mächtiger als sie, weil frei vom Wahn des Glücks. In diesem Haßstrahl erhellt, sah die Zerstörte, zum ersten Male, Leiser Herschsohns Nachfolger als neuen Typus — unzähliger Variationen fähig:
Den Lebenswucherer.
Nicht mehr mit schmierigem Seinesgleichen nur um Geld — o nein, — als physisch Hinaufgepflegter auch noch mit seinen Generationszellen wuchernd, die Kalorien seiner Händedrücke berechnend: Geist, Schönheit, Kultur, Liebe: alles bereits ein Fremdwort für Wucher!
Seine Güte: daß er den Schaden, den er zufügt, leicht vergißt.
Seine Treue: wenn ihm in der Zwischenzeit begangener Verrat weniger Vergnügen macht, als er glaubt beanspruchen zu können.
Seine Großmut: besten Falles eine unterlassene Infamie.
Ohne innere Not allen fremden Werten durch Gentleman-Mimikri falsch verbunden, hatte er in Büchern gelesen von Noblesse, von Vornehmheit, schaffte sich die Worte an, fing sich mit ihnen fremde Taten ein, die ihm den Preis der neuerworbenen Ideale dann bezahlen mußten, denn keine Bindung galt für ihn, der stets auch anders konnte als Entraßter; sich beim „soll“ in den weltfremden Gelehrten wandeln, beim „haben“ behende in den Wucherer zurück.