„Besitzen Sie noch so viel Geld wie er verlangt?“

„Nein, ich bin ruiniert.“

So hatte er sie geschickt und planmäßig an eine Stelle im Schicksal gebracht, wo jeder Versuch einer Tat zu Skandal, Ruin oder — Verbrechen leitet, zu einem: sich überall an blinden Mauern die Stirn zerschmettern, die Knöchel blutig und schmutzig schlagen, wo das ganze Leben grau und rot wird vor Schmach bei jeder Bewegung, der Schlamm-Geysir nur gebannt bleibt durch regloses Stillhalten, Atemanhalten und Sichausplündern lassen; denn eine Dame kann nicht durch Gerichtssaal und Zeitungen zerren lassen, was ihr geschlechtlich geschehen. Sie ist das Wehrloseste der Welt, noch der Feigste darf sich beruhigt an ihr vergreifen; bezahlen muß sie ihn noch, damit er die ihr angetanen Infamien nicht bekannt mache.

So brauchte ein Ralph Herson nur die flottierende Niedertracht in Sitte, Meinung und Brauch für sich arbeiten zu lassen, und jeder Cerebralsadismus, jede Profitgier ward automatisch und ohne Risiko befriedigt, wenn nur frech genug, schamlos genug zu Ende geführt.

Doch wie, wenn er sich diesmal irrte? Wenn sie ihm einen Schadenersatz-Prozeß machte? Allen Ekel vor Maul und Ohr der Öffentlichkeit überwand, um ihn an der einzigen Stelle tödlich zu treffen, wo er verwundbar: mitten in die Brieftasche hinein.

Der alte Lederer schüttelte den Kopf.

„Haben Sie Beweise? Liebesbriefe — wenn schon. Lauter Ekstase, kein positiver Inhalt, und der Schuldschein ist zwar unvorteilhaft, aber unanfechtbar, er behält Ihr Geld. Also: Prozeß zweifelhaft, Schadenersatz sicher gleich Null. Sie bleiben ruiniert und er — kaum geschädigt. Ja, in England, dort wäre es freilich anders, dort hätte er es sich auch wohlweislich überlegt. Da ruiniert ein ‚breach of promise case‘ den Mann.“

Dies also war der echte Grund seiner Übersiedlung aus Cambridge, daher die Flucht vor britischem Recht.

„So ist juristisch nichts zu machen?“

„Nichts, was einer Sühne gleich käme, denn wann hätte ein Gauner nicht das Gesetz für sich.“