„Und dazwischen schwimmst du wie toll, besser sogar wie Aditja — so gut wie die allerbesten Krokodile. Aber das wird es eben sein: erst da denken — dann ganz wo anders und dazwischen gar nicht — nur leben, die Nerven entlang das letzte herausholen für etwas, das so vornehm ist, keinen Zweck mehr zu brauchen.“

Eifervoll entwickelte er nun alle Vorzüge polarer Interessen rechts und links von einem Sport. Da Erasmus zu zweifeln schien: „Du glaubst mir nicht — an mir selbst will ich es dir beweisen.“

Nach einem halben Jahre kam er dann und klagte ein wenig:

„Es scheint mir manchmal, als gebe es gar keine ‚weit auseinanderliegenden‘ Gebiete. Ich wenigstens kann keine finden. Immer dort, wo es wirklich interessant wird oder wichtig, scheinen sie zu konvergieren, und im Ganzaufregenden, da schneiden sie sich sogar.“

„Schade,“ meinte Erasmus, „also ist der Kosmos zu pauvre geraten, als daß man im Auf und Ab an ihm einen — wie hieß es — ‚gutdurchbluteten Geist‘ bekommen könnte. Somit fällt die ganze schöne Theorie dahin.“

„Aber du selbst bist doch gegen deinen Willen mein lebender Beweis, und ich werde noch der deine werden. „Diesen senilen Starrsinn aber,“ — — er kniff ein Auge ein, — „muß man brechen.“

Unentstellt — wie ein kühnes Tier, eine Gazelle aufkniet hinter der entgleitenden Geburt — so schloß sich Gargi hinter ihrem Sohn. Jetzt achtzehnjährig. Doch schon am Morgen ihrer Mädchenschaft hatte sie zu ringen begonnen um diese neue Jungfräulichkeit, jenseits des Kindes.

Ihr und aller indischen Damen scheinendes Ziel: jene Sultana Mumtaz i mahal, die ihrem Gatten mit jedem Knaben sich selbst als Mädchen wiederschenkte. Und Schah Dschehan wertet es weit höher als eine gewonnene Schlacht, denn hier ward durch Zucht, List, Mühsal, Mut, Hingabe das Glück zurück erobert, — enthauptet sogar die Zeit, von dem zarten und zähen Willen, der aus jeder Geburt sich eine neue Unberührtheit für seinen Herrn erzwang. Sieben. Die Achte wurde ihr Grab — und: der Tadj-mahal. Denn in seinen Kuppeln standen leuchtend die sieben harten Marmorkelche ihrer Jungfrauschaften wieder auf. Nicht als Bauwerk zu werten, noch Kunst: der Tadj-mahal ist die Sehnsucht des Mannes nach dem Kelch des Glücks.

Und so groß war Schah Dschehans Sehnsucht nach der Heimat dieses Kelches, daß er durch Blumen und Flammen seines immer erneuten Harems hindurch ging wie ein Schwert, dreiundzwanzig Jahre lang, und nicht müde wurde, die Weiße des weißesten Marmors zu prüfen, gegen das Gold und Grün der Lasuren, ob sie seine Weiße erhöhten. Ließ plötzlich die Flanke eines Berges auseinanderreißen in der Hoffnung, seine Tiefe sei heller noch, ähnlicher im Adergang.

Die eckigen Wasser aber, in denen alle Weiße sich spiegeln sollte, ließ er noch auf ihrem Grund mit geschmolzenem Silber ausgießen, und aus seiner unzerstörbaren Sehnsucht preßte er die Erinnerung an ihren Duft, ließ das Geheimste aus den Korollen und die Drüsen aus den feurigsten Tieren reißen, und manchmal meinte er, das Laue in der Luft sei es und warf die Arme darum, bis endlich — endlich die Alchymisten Arabiens, die Sanjassins Hindostans aus dem Fruchtfleisch der ganzen Welt es ihm erpreßten.