Da stieg die Essenz des Duftes als sieben Quellen aus dem Spiegelbild des Marmorkelches in den eckigen Silberwassern. Weiße Nachtigallenmännchen, deren Flügel in Netzen aus Rubinen lagen, tranken Trunkenheit daraus, daß ihnen der fließende Duft klingend aus den heißen Herzchen barst zum Preis der sieben Jungfrauschaften, die sieben süße Kinder waren.
Das ist zu Agra das Grab der Mumtaz i mahal: das Grab der Krondame. Als es vollendet war, ging Schah Dschehan noch einmal ein in ihren tiefsten Kelch, und das für immer. Seine Asche ergoß sich ihr.
Im siebenten Jahr nach dem Frühlingslauf zur „Höhle der weißen Träume“ brachte Horus aus China eine zweite Gattin mit, als seine erste legitime Nebenfrau. Seine Mutter, Gargi und er hatten die Regenzeit zu einem Besuch jener südchinesischen Provinz benutzt, deren Statthalter damals vorübergehend Lady Dianas alter Freund Li-Hung-Tschang war.
Wieder ostwärts, auch diesmal, statt nach Westen! Seit der weiße Kult von Horus Besitz ergriffen, war es schier zum Staunen, wie Hindernisse förmlich aus dem Nirgends her sich niederschlugen wider seinen Wunsch. Nicht von Menschen kommend. Warum auch? Wo alles ihm so wohl wollte — insonderheit seiner Mutter keine Mühe je zu groß, kein Preis zu hoch erschienen, galt es etwa Beschaffung eines neuen Instruments für ihn aus Glasgow, aus Jena. Wie edler, körperhafter Gruß der weißen Rasse, war jedes durch das Medium ihrer großen Liebe in seine ehrfürchtigen Hände überliefert worden. Nun aber, als Schüler von Erasmus längst entlassen, als Mitarbeiter — Ebenbürtiger, fühlte auch er sich würdig, nach dieser weisen, planvoll steigernden Gewöhnung, die Klarheit solch einer ganzen Welt zu atmen.
Stillschweigend schien all das ja längst geordnet — beschlossen. Einmal aber hatten technische Verbesserungen am Graphitwerk: seine Erfindung, die halbe Regenzeit verschlungen — andre Jahreszeiten kamen wegen der wichtigen Kopra- und Teeernte nicht in Betracht — dann wieder war unbegreiflicherweise fast in letzter Stunde ein schwerer Schraubendefekt an der Jacht entstanden. Jetzt diese Einladung Lis!
Gargi hatten die Tänze der Königsfrauen erst nach Siam gezogen: zartschultriger Kult perverser Cherubim mit Schlangen und Ranken. Die äußern Behelfe: Stachelhelm, rieselnde Schnüre, irre klirrendes Metall, von Silberflöten durchküßt, wurden ihr Gastgeschenk. Dann verließen sie das Land der grünlichen Frauenblüten; nicht zum wenigsten bereichert um je ein Pärchen Tempel- und Palastkatzen: den zweierlei siamesischen Spielarten; silberbraun beide mit saphirblauen Augen, Tiere, die sich halten wie ägyptische Götter und einfach sind wie ein ganz großes Kunstwerk.
Wie immer auf Diana Elchos Reisen, wurden alle Hafenstädte gemieden, in denen ein entraßtes Esperanto des Vordergrundlebens den Lack hätte zerkreischen können um diese Porzellan- und Seidenwelt. In entlegener Bucht warf die Jacht Anker. Riksha-Kulis, Reit- und Tragtiere geleiteten die bald Vertrauten in das schwerfällig-milde Reich des Mitten-Innestehens, und seines Herzens Spruch!
„Mach süß ihre Speise
Und schön ihre Kleidung,
Freundlich ihre Wohnung