Und dann vergaß er es. Denn er wollte mit den Frauen noch unter die Frühlingsgestirne in den Garten spielen gehen.

Vor dem letzten Rasthaus schwingen im Mondlicht die schlafenden Elefanten.

Durch den Silbernebel der vier ragenden Massen geht lautlos ein Riesenrhythmus lebendigen Traums. Schwereloses Schlingern und Rollen vor und zurück, die Tonnenflanken und das gehöckerte Haupt hinauf; von Kautschuksäulen elastisch aufgefangen — wieder rückgeleitet zu dem stillen Herzen, das voller Sanftmut mitten inne steht.

Jenseits der kleinen Lichtung schwingen noch leise die Luftwurzeln der Banjanbäume mit, aufgeweht vom Wind der Fächer-Ohren, wenn sie um die geschlossenen Augen streichen. Ewig wache Rüssel aber umtasten wie in leiser Orgiastik die silberne Schwerelosigkeit der Nacht. Da reckt Rama-Krishna den seinen weit — mit dem schönen Schwung eines weisenden Frauenarms. Steht still. Hat träumend die Herrin erfühlt. Und die zu Tragende erwartend, bricht er lautlos in ein mächtiges Knie — das andre zart gespreizt und vorgeneigter Schulter —: leichte Leiter für die leichte Last, die er so manche Tage nun schon über Land getragen; und endlich hier herauf die duftenden Terrassen bis unter den Gipfelkopf des heiligen Bergs.

Daß es jetzt zu steil würde für ihn, zu schmal für seinen Bauch, daß er und die andern Reitelefanten bei dem Mahaut mit dem Ankus zurückbleiben sollten, das konnte er nicht wissen, wiewohl er ein Weiser war unter den Weisen.

Gargi, die ihn so dienen — knien sah, schlang die Arme um seinen Hals, steckte ihm ein Lianensträußchen hinter den Ohrenfächer, ein langes Zuckerrohr aber in die ganz und gar dumme Säuglingslefze. —

Dankend schmeichelt die Rüsselspitze — wie eine Hand voll Geist — um ihre unbegreiflich edeln Arme. Ein Wink heißt Rama-Krishna sich in die Höhe richten, dann nimmt der Banjanschleier die Herrin auf; Luftwurzeln rinnen hinter der Diaphanen zusammen. Nur vom Zuckerrohr, dem saftsüßen, ist noch ein Stückchen da. Und wie es zergeht, zergeht auch die Persönlichkeit, an der die Welle des großen grauen Traums sich brach. Wieder einfallend in den Riesenrhythmus lebendigen Schlafes, schwingen im Mondlicht die vier wartenden Elefanten.

Zwischen drei Fackeln steht der Schikari Aditja. Zwei brodeln grün aufwärts in die Mangroven. Drunter hängt sein weißer Turban: eine phantastische Ampel im Schwarzen über schwebenden Elfenbeinäpfeln: den Augen. Der dritten schräggesenkter Schein beleckt einen Klumpen metallner Eheringe an den Wurzeln seiner ausdrucksvollen Zehen. Jeder Ring ein ineinandergeflochtenes winziges Paar: das Männchen Messing, das Weibchen Silber. Jedes eine neue Liebesverschlingung; alle von grandioser, übermenschlicher Unanständigkeit. Zwischen Turbanampel oben, Zehenringen unten ahnt man, als Schweifendes, den sehnigen Jägerkörper aus verdichteter Nacht.

Sie steigen ins Steile — jeder mit seiner Leuchte; der Schikari voraus auf trocken schmalen Sohlen, fegt Flammen ins obere Dunkel, aus dem, treibt Hunger sein Eingeweide, der Panther sich zuweilen auch auf Menschen niedertropfen läßt. In Pausen stößt aus Aditjas Kehle etwas wie gezischter Vogelschrei: verwildertes, gleichsam bewaldetes: heiii — — heiiiiii! Damit die Giftwesen unten rechtzeitig zur Seite schmelzen können, was durchaus in ihrem eignen Interesse gelegen ist. Denn wozu schwer nachzuschaffenden Betriebsstoff an Beute verschwenden, bei der ein so dickes Ende nachkommt, daß an gedeihliches Verdauen doch nicht zu denken ist. Kein realer Fond in der Unternehmung. Mit steigender Höhe wird der Boden härter, Aditjas „heiiii“ schütterer, bis es ganz erlischt.

Stille hängt — ein schwarzer Kessel — über den Dschungl gestülpt. Lautloses Schicksal geht suchend durch die Finsternis mit phosphoreszierenden Lichtern. Niemand schläft, niemand gibt Laut. Nur dumme Papageien dösen irgendwo oben vor sich hin. Manchmal ratscht ein Halbwüchsiger aus seinem Angsttraum eine Formel herunter, oder ein ganz Alter, der es an der Leber hat, versucht mit dem Nachbar unzeitgemäße Betrachtungen: dann ein Hacken Horn auf Horn. Und immer muß er recht behalten. Auch gegen die Wildkatze. Unten räumt man ihm schon den Bauch aus, und oben spricht er noch. Endlich ist sie im Menü so weit, beißt ihm das letzte Argument in die Kehle zurück, und alles atmet auf.