Durch schweren Nebel pflügte sich die Jacht Marseille entgegen. Nur draußen vor Aden hatte sie Kohlen eingenommen. Orient zum letztenmal.
Wie losgelöste Stücke rotbrünstiger Klippen, waren ihr von der Steilküste nubische Knaben entgegengesprungen in eine kobaltblaue See; zwischen den Lippen Dolche und auf ihre feuerfarbnen Schöpfe festgebunden Amphoren aus buntem Strohgeflecht, gefüllt mit lieblich freien Dingen handwerklichen Spiels. — Man hatte die Knaben beschenkt, doch nicht jäh entlassen, so dankten ihre Körper durch Tanz auf der Violinenbrust des Decks; warfen aus blanken Gliedern empfangene Freude den Spendern zurück.
In der Reeling spiegelten sich, metallisch ins Messing gewölbt, breite Nilaugen, wie nasse Kastanien braun und weiß, und Hennarot schroffer Schöpfe.
Ganz nah um das Schiff stürzen pausenlos, in goldbraunen Ellipsen die Falken von Aden. Ihre schrägen, jähen, stets geschlossenen Kurven scheinen ein neuer, rotierender, geisterhafter Körper im Raum, als dessen milchweißes Herz die Jacht steht. Geruch durchsonnten Gefieders steigt und sinkt mit ihnen: paradiesisches Zimt, verbrannt auf Flügelaltären hundertfach.
Schwingt am Seil des Lichts einer der großen Körper schräg um den Bug, dann — auf Armesabstand — wendet der Blau-Bekrönte aus göttlichen Schultern heraus ruhevoll das Haupt. Sieht lidlosen Auges golden in das Auge der Menschen.
Dann steht sein Flug und in ihm die Zeit. An einem Faden Licht hängt er vom Scheitelpunkt der Ewigkeit herab, mit gebreiteten Schwingen aus stillem, schwerelosem Stein.
So also: hellgesäumt, sich myrtenblättrig überlappend steigt das Gefieder auf von Hals zu Haube. Zweihundert Federchen — dreihundert — dreihundertvierzig. Nein, nur genau. Noch einmal zählen. — Da schlägt ein Augenlid die Zeit. Schwächlich, menschlich.
Hochmütig und befremdet ab kehrt sich der starke Vogelblick. Schräg ins Geschehen schlagen wieder Schwingen und verschwinden.
Die Flugbahn eines mächtigen Sperbers war immer wieder vor dem Bugspriet knapp an Gargi vorbeigestrichen, die, von mondsteinfarbnen Schleiern umweht, ungeblendet im fließenden Licht stand. Jedesmal in Herznähe wandte sich der große Vogel, sah grell in den unbegreiflich sanften Samt ihrer Augen. Sie rief ihn an. Bog das nächste Mal ganz sich ihm entgegen; warf ihren Schleier nach seinem Hals. Das erschrockene Tier hackte zu, durchstieß mit Schnabel und Kopf das dünne Gespinst, und so, umwallt von dem Schleier der Frau, stieg es und trug ihn, sich steiler und steiler schraubend, immer neue Sphären aufreißend, in einen lotrechten Trichter von Licht.
Sie sah ihm nach, verzückt zurückgeworfen. Hochgereckt zum Flug: auf federndem Zehenfächer ein befiederter Pfeil.