Die Blonden waren von jeher in Spanien sehr geschätzt, jede Spanierin besaß wenigstens eine Mantille aus Blonden und dort in ihrer Heimat waren sie nicht den Moden unterworfen.
Man erzählt sich von ihrem Ursprung, – fast jede Spitzengattung hat ihre Legende, – daß sie von einer trauernden Mutter, von den blonden Haaren ihres geliebten Kindes, das sechzehnjährig gestorben war, verfertigt worden waren. Dieser Schleier sah so reizend aus, daß bald andere Frauen versuchten, dieses Gewebe in feinen Seidenfäden nachzuahmen.
In Spanien werden sie in Barcelona zwar erzeugt, doch decken sie keineswegs den Bedarf Spaniens und dessen Kolonien und sind nicht so schön und gediegen, wie die in Caen, Bayeux, und Chantilly verfertigten. In Belgien werden sie in Grammont und Turnhout fabriziert. Im allgemeinen nimmt die Fabrikation mit dem allmählichen Verschwinden der spanischen Nationaltracht ab. Die Kolonien halten in der Beziehung mit dem Mutterlande Schritt. Im XVII. Jahrhundert hießen sie bisette, beide Namen blonde und bisette erinnern daran, daß man sie anfangs aus ungebleichtem Seidengespinst klöppelte, aber sie wurden sehr häufig auch schwarz verfertigt und sind sehr hübsch und wirkungsvoll. Die Blonden mit breiten Seidenflecken, die spanischen, sind cremeweiß, während die sogenannten französischen blauweiß sind und dadurch leicht einen grauen und verstaubten Eindruck machen.
Brüsselerspitzen. Point de bruxelles oder Brabanter.
Das absolut Charakteristische für alle Klöppelspitzen, welche diesen Namen führen, ist, daß bei ihnen zum Unterschiede von den fortlaufend gearbeiteten flämischen Klöppelspitzen ihre Blumen oder der ornamentale Leinenschlag in einzelnen Stücken am Klöppelpolster ausgeführt wird und dann erst sie mit brides oder réseaugrund zu einem Ganzen vereinigt werden. Man erkennt sie daher stets daran, daß die Fäden des toilé nicht wie Webfäden laufen, sondern daß der lange Faden, wie die Ringe eines Baumstammes, mehr oder minder parallel zu einem Mittelpunkte läuft, ferner daß dieses toilé nicht von einem festen Rand abgegrenzt wird, sondern immer wie mit einem à jour-Band umgeben ist, an dem dann später entweder die brides oder der réseau angeschlagen werden.
Diese Ausführungsart hat selbstverständlich Vor- und Nachteile. Vorzüge sind, daß man dadurch beliebig große Stücke nicht nur in der Länge, sondern auch in der Breite anfertigen kann, was bei in Einem gearbeiteten Spitzen völlig ausgeschlossen ist, da die Zahl der Klöppel in das Unendliche anwachsen würde.
Praktischen Vorteil hat diese getrennte Ausführung auch noch dadurch, daß man die Herstellung der einzelnen Motive mehreren Arbeiterinnen zu gleicher Zeit überlassen kann, und daß diese, was ihr Können anbelangt, viel ungebildeter sein dürfen, wie die Klöpplerinnen der fortlaufenden Spitzen. Natürlich erfordert das Zusammensetzen der Spitzen zu einem Ganzen wieder sehr geschmackvolle und geübte Arbeiterinnen.
Der Nachteil der getrennten Arbeit besteht darin, daß diese Spitzen durch das Zusammensetzen durchschnittlich nicht so dauerhaft sind, wie andere, ebenso feine, in Einem gearbeitete Spitzen; und daß das individuelle Gepräge verloren geht. Diese Art der Brüsseler Spitzen haben ähnliches technisches Verfahren wie die sogenannten mailändischen Klöppelspitzen und sind wie diese alt.
Die ältesten Brüsselerspitzen wurden ohne réseau gemacht. Sie sind auf einem runden Klöppelpolster hergestellt, der sich auf einer Achse dreht, so daß die Arbeit jeweilig in den Kurven zu der Person gewendet werden kann. Die Zeichnung ist breit und voll, große Rosen und Blumen liegen dicht nebeneinander angeordnet und sind mit brides picotés vereint, die jours werden mit points d'esprits oder quadratisch gelegten, feinen Stäbchen gefüllt. Einige feine Relief-Fäden, die nicht die Zeichnung umranden, sondern nur hie und da verwendet werden, akzentuieren die Blumen wie mit aufgesetzten Lichtern, sie sehen wie ein ganz feiner Saum aus. Man beachte, daß bei den Malines diese Umrandungen bloß aus einem stärkeren Faden gebildet sind und auch die modernen Brüsseler Applikations ihre Reliefverzierungen bloß aus einem Faden aufgesetzt haben.