Meistens sind die points de Paris gröber wie point de Lille. Diese Spitzen sind schon seit langem, wie die meisten Klöppelspitzen, von Frankreich ganz nach Belgien übersiedelt, sie werden in Turnhout und Cerfontaine und anderen Orten fabriziert. Man macht points de Paris außer in weißen Leinenfaden auch in schwarzer Seide.
Holländische Spitzen. Pottenkant.
Pottenkant sind originelle ganz volkstümliche Spitzen. Es ist ein ganz merkwürdiger Vorwurf: immer und immer wieder Blumentöpfe oder Vasen mit Blumen. Da sie aber häufig sehr graziös sind und in ihrer Art einzig dastehen, und auch technisch durchaus nicht in einer anderen Gruppe aufgehen, so muß man ihnen einen besonderen Platz anweisen. Sie sind so holländisch mit ihren stilisierten Tulpen und Nelken und anderen Blumen, manchmal mit Wurzeln im Topf, manchmal geschnitten in Vasen, daß man sie eher jenseits der Schelde als bloß diesseits in Antwerpen suchen würde. Sie haben ein fond double, wie point de Paris, in dem klar und bürgerlich korrekt der kleine Topf mit seinen Zweigen sitzt. Ein Cordonet umgibt die Zeichnung, der Rand ist meistens ganz gerade, oft wie für einen Einsatz (entre deux) gearbeitet; sie sind selten mehr, wie ein paar Finger breit.
Blonden.
Man kann spanische und französische Blonden unterscheiden, die zwei sehr verschiedene Gattungen unter diesem Namen vereinen; die ersten gehören zur spanischen Nationaltracht.
Sehr liebenswürdige und anmutige Spitzen ohne höheren künstlerischen Wert sind die Blonden, ihre glänzend weißen Seidenflecken geben ihnen einen weichen Schimmer, der sie ganz unähnlich den anderen Spitzengattungen aus Zwirn macht, sie sind sehr auffallend und doch nicht so kostbar, daß sie von jeher der Modelaune unterworfen waren. Maria Antoinette liebte sie sehr und sie waren bis zum Sturze des Königtums beliebt, dann verschwanden sie und tauchten mehrmals wieder im XIX. Jahrhundert auf. Kaiserin Eugenie als Spanierin bevorzugte sie auch eine Zeitlang und sie wurden in den sechziger Jahren in ganz Europa sehr viel getragen.
Sie bieten in ihrer Ausführungsart vielerlei Abwechslung, große Blumen mit zarten chantillyartigem réseau lassen den Seidenglanz sehr zur Geltung kommen. Die feinen, schleierartigen, deren Dessin nur mit feinen Faden wie hineingestickt ist, können kaum als ihre Schwester erkannt werden. Sehr hübsch sind auch die mit silbernen oder goldenen Fäden durchzogenen. Der réseau ist meistens wie das der Lille, manchmal aus fond chant gebildet.